Mit Familie auf die Piste – Mikro-Skigebiet oder Ski-Zirkus?

Die Kinder haben ihren ersten Skikurs erfolgreich gemeistert und möchten ihre Fahrkenntnisse nun auf der „richtigen“ Piste ausprobieren. Oder Sie suchen ein Skigebiet, bei dem die ganze Familie auf ihre Kosten kommt. Nur: Welche Gebiete sind dafür am besten geeignet? Die ganz kleinen Mini-Skigebiete, weil dort vielleicht wenig los ist, oder die großen Areale, wo viel geboten wird? Wir klären über Vor- und Nachteile auf.

Mikro-Skigebiete 

Kleine und Kleinstskigebiete haben einige Vorteile, die nicht von der Hand zu weisen sind: Aufgrund der geringen Pistenzahl (oft nur eine oder zwei Abfahrten) ist man in seiner Könnerstufe unter sich, sprich neben den Anfängern rasen keine Super-Checker haarbreit am Ski vorbei. Auf blauen Pisten tummeln sich Skianfänger und Genießer, auf den roten ein gesundes Mittelmaß. Unter der Woche sind sie meist sehr schwach frequentiert, da kaum jemand auf die Idee kommt, einen einwöchigen Skiurlaub vor Ort zu machen. Dafür kann es am Wochenende voll werden, wenn die umliegenden Bewohner auf das kleine Skigebiet zugreifen. Denn das punktet meist mit deutlich günstigeren Preisen; oft gibt es auch Stundenkarten für zwei, drei oder vier Stunden. Alles ganz entspannt. Genau das Richtige für Anfänger und Wiedereinsteiger oder solche, die nicht den ganzen Tag auf der Piste verbringen möchten.

Wer mit Kids in den Winterurlaub fährt, braucht Berge, wo die Skizwerge ungestört im Schnee toben können.

Ein großer Nachteil macht gleichzeitig ihren Charme aus: Die Liftausstattung ist meist sehr einfach und/oder veraltet. Sprich, man muss bei Kindern zusätzlich Kraft für ständiges Schleppliftfahren einplanen, die Spur dafür ist nicht immer ideal angelegt und die Piste selten planiert. Sessellifte mit Sitzheizung und schützender Wärmeglocke sucht man hier vergebens. Die Aufnahmekapazität ist ebenfalls geringer. Wenn es also voll wird am Wochenende, steht man auch hier in einer Schlange. Wenn man Glück hat, gibt es an der Talstation einen kleinen Imbiss, in dem man sich stärken und aufwärmen kann. Manche Skifahrer, die genug vom Pistenrummel haben, zieht es genau in solche Gebiete, in denen man nostalgisch alter Zeiten gedenken kann. Oft ist das Personal auch sehr freundlich und zu einem Schwätzchen aufgelegt und sorgt für zusätzlichen Flair. Aber dann wäre noch die Sache mit dem Schnee: Meist talnah gelegen, sind Mikro-Skigebiete sehr stark von den vorherrschenden Bedingungen abhängig. Schneekanonen können sich die oft im Nebenverdienst arbeitenden Liftbetreiber nicht leisten. Das heißt, dass richtig optimales Skifahren nur innerhalb weniger Wochen im Jahr möglich ist.

Mikro-Skigebiete: Ötzlifte in Pessenbach (2 Schlepplifte), Reiser-Lifte in Gaißach (1 Schlepplift, 1 Übungslift), Skigebiet Herzogstand am Walchensee (1 Gondel, 1 Schlepplift), Skigebiet Kampenwand in Aschau im Chiemgau (1 Gondel, 2 Sessellifte, 1 Schlepplift)

Fazit: Bei wenig Zeit und kurzer Anreise das optimale Ziel für Genießer und Nostalgiker. Wer mehr Wert auf Komfort legt oder einen längeren Urlaub plant, sollte sich nach einem größeren Skigebiet umsehen.

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Mittelgroße Skigebiete 

Hier wird schon mehr geboten: Das Liftangebot reicht für einen abwechslungsreichen Pistentag und Einkehrmöglichkeiten gibt es oben am Berg. Auch Mama und Papa kommen auf ihre Kosten, und man kann sogar eine schwerere Piste ausprobieren, wenn es an der Zeit ist. Die Liftarten wechseln meist zwischen Schleppliften aller Art (Teller- oder Bügellift) und Sesselliften, sodass man sich zwischendurch kurz ausruhen kann. Bei ungenügender Schneeauflage wird mit künstlichem Schnee nachgeholfen, sodass ein Skibetrieb meist die ganze Saison über gewährleistet werden kann.

Mit guter Planung wird der Skiurlaub mit Kindern ein Spaß für die ganze Familie.

Leider orientieren sich die Preise oft an den größeren Skigebieten; die Tageskarte für Erwachsene kostet fast immer über 40 Euro. In der Regel zahlen Kinder ab sechs Jahren für einen eigenen Kinderskipass. Manche Skigebiete werben mit Familienfreundlichkeit und schnüren dann günstige Familienpakete. Doch diese ziehen dann auch viele Familien an – die Schlangen an den Liften werden länger, die Pisten sehr voll. Hier sollte man unbedingt darauf achten, dass die Abfahrten breit genug sind, damit sich Kinder und Fahranfänger aus dem Weg fahren können. Nicht alle Skigebiete meistern den Balanceakt zwischen einer kindgerechten Ausstattung und angemessenen Preisen. Für Kinder wichtig sind zum Beispiel ein- und aussteigefreundliche Lifte – besonders bei den Sesselliften gibt es hier himmelweite Unterschiede – hilfsbereites Personal, wenn es mal brennt, und kurze Wege, möchte man vom einen zum anderen Lift wechseln. Kleine Gegenanstiege oder lange Ziehwege können einem da schnell den Spaß verderben.

Mittelgroße Skigebiete: Skigebiet Sudelfeld bei Bayrischzell (4 Sessellifte, 12 Schlepplifte), Skigebiet Brauneck in Lenggries (1 Gondel, 4 Sessellifte, 11 Schlepplifte), Skigebiet Winklmoos/Steinplatte in Reit im Winkl (2 Gondeln, 9 Sessellifte, 2 Schlepplifte)

Fazit: Bei den mittelgroßen Skigebieten gibt es sehr große Unterschiede. Man sollte sich im Vorfeld deshalb gut informieren, ob es den eigenen Anforderungen entspricht. Zuallererst mittels des im Internet einsehbaren Pistenplans: Wie viele Pisten entsprechen dem gewünschten Schwierigkeitsgrad? Zu bedenken ist auch, dass in schattseitigen Gebieten zwar die Schneequalität meist besser ist, das Skifahren für Kinder im Hochwinter aber grenzwertig kalt werden kann. Am besten: tageweise selbst ausprobieren.

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Große Skigebiete und Skiverbunde 

Mit den Vorteilen wird kräftig geworben: Schier endlose Pistenkilometer (die man selbst als Erwachsener oft gar nicht alle fahren kann), eine Ausstattung auf höchstem Niveau (Sitzheizung, Wärmeglocken etc.), bestens präparierte Pisten und gute Schneequalität. Dazu kommen noch etliche Spielereien, die Familien sehr zu schätzen wissen: ein Igludorf oder Eiskunstwerk am Rand der Piste (mit Liegestühlen davor für die Eltern), lustig abgesteckte Rennstrecken oder Slaloms, Fun Parks, Schneetunnel zum Durchfahren und vieles mehr. Da rückt das Pistenkilometerschrubben fast in den Hintergrund. Große Skigebiete bieten genügend Abwechslung für einen ein- oder mehrwöchigen Skiurlaub. Nicht selten befinden sie sich auf großer Höhe, zum Teil in einem Gletschergebiet, was der Schneequalität nur zuträglich ist. Einzelne Schwachstellen werden schnell ausgebessert, die Pisten bestens präpariert. Klingt eigentlich perfekt, oder?

Viele Skigebiete bieten ein eigenes Kinderland sowie spezielle Skilifte für kleine Skianfänger.

Aber auch hier gibt es Nachteile. Der am offensichtlichste ist der hohe Preis. Bei einem einwöchigen Aufenthalt bekommt man wesentlich günstigere Pakete, aber trotzdem ist das eine gehörige Investition, möchte man mit der ganzen Familie dort skiurlauben. Abgesehen davon gibt es eine Reihe versteckter Nachteile: Viele Kinder sind die große Höhe nicht gewöhnt und werden schneller müde. Man sollte nicht unterschätzen, wie anstrengend ein Skitag auf 2.500-3.000 Meter Höhe für so einen kleinen Organismus sein kann. Dazu kommen Wetterextreme: Bei Sonnenschein kann man bereits im März einen Hitzschlag bekommen, bei Wind wird man hier fast vom Berg gepustet. Der Wind-Chill-Faktor lässt empfindliche Backen abfrieren oder die Zehen nicht mehr auftauen. Ein Erwachsener steckt das alles besser weg als ein kleiner Skianfänger, der noch dazu mit seiner Technik zu kämpfen hat. Und dann gibt es auch in den großen Gebieten einige Nadelöhre, die nicht einfach zu meistern sind: Während sich die Massen auf den breiten Pisten angenehm verteilen, knubbeln sich an Engstellen Skifahrer jeder Könnerstufe. Da kann es manchmal hoch hergehen und die dank der modernen Ausrüstung zunehmend schnellere Fahrweise kann auch Erwachsenen einen gehörigen Schrecken einjagen.

Große Skigebiete: Skigebiet Stubaier Gletscher (5 Gondeln, 7 Sessellifte, 9 Schlepplifte), Serfaus-Fiss-Ladis (1 Zahnradbahn, 11 Gondeln, 16 Sessellifte, 11 Schlepplifte), SkiWelt Wilder Kaiser/Brixental (16 Gondeln, 35 Sessellifte, 36 Schlepplifte)

Fazit: Für längere Skiurlaube und größere Ambitionen sind große Skigebiete sicher eine gute Wahl. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass der große Rummel auch ein Stressfaktor ist und man außerdem den Elementen stärker ausgesetzt ist.

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