Deutschlands Schönheiten mit Hund entdecken

Freiheraus: Wer noch nie mit einem Hund gewandert ist, der hat etwas sehr Schönes nachzuholen. Geteilte Freude ist doppelte Freude – und wer kann unverstellter und herzerfrischender Begeisterung und Lebensmut zeigen als ein Hund? Gemeinsam sich an der Natur erfreuen, interessante Orte aufsuchen und zwischendurch einfach die Seele baumeln lassen – all das lässt das Hundeherz höher schlagen und hebt die Stimmung des zweibeinigen Begleiters in die Höhe. Ich liebe es, mit meinem tierischen Freund Deutschlands wunderschöne Landschaften und Kultur zu entdecken und seine Hundeaugen glänzen zu sehen, wenn er mich auf den lichten, beinahe mediterranen Höhenwegen der Eifel begleitet. Oder neben mir entspannt liegt, während ich kulinarische Spezialitäten in den hundefreundlichen Gaststätten genieße. Im verschneiten oder frühlingshaften Harz ist es schön, durch die märchenhaften Wälder so lange zu streifen – beide wettergerecht angezogen, denn auch Hunde frieren –, bis man sich ein heißes Getränk oder eine deftige Speise verdient hat. Mein ganz persönliches „Hunde-Mensch-Eldorado“ sind die Kreidefels-Wanderwege in der Nähe von Regensburg, wo der Hund einfach Hund sein darf und dennoch gern gesehener Gast ist.

Ob mit oder ohne Leine, Wandern mit Hund bringt viel Freude

Welche Jahreszeit ist die Beste?

Für die Eifel und den Harz gilt für mich ganz eindeutig: das ganze Jahr über! Allerdings, im Winter kann es empfindlich kalt werden, dafür ist der Sommer wunderbar luftig und nicht zu heiß. Regensburg empfehle ich für den Mai/Juni (Blumen!) und für den farbenprächtigen, noch warmen Herbst beziehungsweise Spätsommer.

Welche Gegend für wen?

Die Eifel hat alles, von Kurzstrecke für Anfänger bis Etappenwandern für Passionierte. Bei den langen Etappen sind kleine Hunde im Nachteil, denn die kurzen Beine können meistens keine 10 Kilometer am Tag bewältigen. Das sollten Frauchen und Herrchen bei der Planung berücksichtigen. Wandern in der Nachbarschaft zu Regensburg, also in der historischen Region Franken (Oberpfalz/Bayern), bietet für jeden Hund und seinen menschlichen Begleiter Höhenwege, flache Talwanderungen, gespickt mit vielen schönen Ausflugslokalen, wo Hunde selbstverständlich nicht draußen bleiben müssen. Der Harz ist etwas ganz spezielles für die „Nordischen“ unter den Hunden, denn die Sommer sind in den dichten Wäldern des Harzes nicht zu heiß und die Winter geradezu ein Traum für Hunde mit Unterfell, die sich im Schnee austoben können. Der Nationalpark Harz bringt es leider mit sich, dass der Hund laut den Statuten nicht ganz so frei herumtollen kann wie beispielsweise in der Eifel oder im Regensburger Land.

Für jeden Typ Hund gibt es die passende Urlaubsregion

Immer wieder die geheimnisvolle Eifel

Die Eifel gehört nicht nur zu meinen deutschen Favoriten, sondern spielt sogar auf meiner privaten „Europa-Ranking-Liste“ in der obersten Liga mit. Kein Wunder also, dass ich diese tief im Westen Deutschlands versteckte Region immer wieder aufsuche und natürlich auch darüber schreiben muss. Für Hundehalter und Wanderer ist die Eifel – meiner Ansicht nach – so etwas wie das Paradies, dabei gehe ich mit diesem Wort nicht verschwenderisch um! Heute möchte ich Ihnen Nettersheim vorstellen. Dieser Ort ist erstaunlich abwechslungsreich, zudem auch gutes Einfallstor für viele Wanderungen, unter anderem zu dem traumhaft schön angelegten Eifelsteig (Etappe 6). Und noch etwas: Nettersheim ist bestens an das große Verkehrsnetz der Städte Köln-Düsseldorf-Bonn-Aachen angebunden.

Die Eifel hat enorme Bärlauchfelder, in denen so mancher Hund schon fast verschwindet.

Die Lieblingsstrecke, die sowohl mein Hund als auch ich besonders genießen, führt uns an einigen archäologischen Sehenswürdigkeiten vorbei. Ich liebe diese Abwechslung zwischen herrlicher Natur und uralter Kultur, wovon die Eifel geradezu überbordet. Da mein Hund keinen Jagdinstinkt hat, freut er sich über die leinenlose Freiheit, den Wanderweg vor- und zurückzulaufen zu dürfen. Wer den eigenen Vierbeiner nicht ableinen darf, der kann auf dieser Tour sinnvolle Übungen mit der Schleppleine absolvieren, die auch dem Hund Spaß machen. Die Tour „Nettersheim-Tour Archäologie entdecken“ ist durchgängig ausgeschildert und beginnt am Naturzentrum Eifel in Nettersheim. Sollten Sie über ausreichend Zeit und Lust verfügen, dann lohnt es, sich im Naturzentrum Eifel über die ökologischen, geologischen und archäologischen „Spezialitäten“ der Gegend zu informieren. Auf dem Archäologie-Wanderpfad wandeln Sie auf historischen Spuren der Römern, Kelten und Franken, aber auch auf den um einiges jüngeren des 19. Jahrhunderts. Sie werden den römischen Grünen Pütz – „Pütz“ nennen Rheinländer einem Brunnen, in diesem Fall eine offene Wasserstelle –, sowie das Matronenheiligtum Görresburg entdecken. Darüber hinaus durchwandern Sie ein Urmeer, das sogenannte Devonmeer, das sich hier als ganz flaches Gewässer vor Millionen von Jahren ausbreitete. Seine Fossilien und andere paläontologische Besonderheiten finden Sie im Nettersheimer Naturzentrum Eifel.

Die Landschaft der Eifel lädt einfach zum Wandern ein

Lassen Sie ihren Vierbeiner im Tal der Urft schnuppern und die Mannenberghöhlen – vier Karsthöhlen – finden, die zwar nicht zu Besichtigung offen stehen, dennoch ein kulturhistorisch interessanter Ort sind. Heutzutage überwintert darin die Fledermaus „Großes Mausohr“, die größte in Deutschland noch anzutreffende Art. Am „Grünen Pütz“ kreuzen Sie den Römerkanal, eine top-ausgeklügelte, bis heute funktionierte Wasserleitung, die die Römer ob der schlechten Wasserqualität in Köln auf knapp 100 Kilometern anlegten. Auf der ehemaligen Römerstraße erreichen Sie die alte römische Siedlung Marcomagus, die in Resten noch vorhanden ist. Wenn Sie die Marmagener Hochfläche etwas hochkrachseln (kurz und schmerzlos), so treffen Sie auf das bis heute von Anhängern verehrte – und häufig geschmückte – Matronenheiligtum Görresburg (Archäologischer Landschaftspark Eifel). Den Hügel beherrschen seit dem 1. Jahrhundert drei sogenannte Matronen, genauer: Matronae Aufaniae, und ihre Tempelanlagen. Ich bin nicht esoterisch veranlagt, aber dennoch verspüre ich hier je nach Tages- und Jahreszeit eine intensive Atmosphäre, die die Anlage umgibt. Die im Hochrelief dargestellten Frauen symbolisieren gleichzeitig drei Lebensalter (Original im Rheinischen Landesmuseum Bonn). Ihre Verehrung basiert auf einem gallo-römischen Fruchtbarkeits- und Schutzheiligenglauben. Genießen Sie dieses Kleinod seltener Tempelanlage und ‚huldigen‘ Sie diesen Weisen Matronen beispielsweise mit einem ausgiebigen Picknick, das auch Ihr vierbeiniger Begleiter genießen wird.

In den kleinen Orten der Eifel kann man wunderbar einkehren und Rast machen

Sagenhafter Harz: Wo die Natur so wächst wie sie möchte

Der sagenumwobene Harz mit seinem urwüchsigen Nationalpark – dem größten Deutschlands – mit seinen ausgedehnten Mooren, Fichten- und Buchenwäldern hat wahrscheinlich ähnlich viele Wanderwege wie die Eifel. Allerdings herrscht innerhalb des 247 Quadratkilometer großen Harzer Nationalparks Leinenpflicht! Ich möchte Ihnen eine Etappenwanderung vorstellen, die Sie nach Belieben kürzen können: den wunderschönen Harz-Klassiker „Kleiner Hexensteig“. „Klein“ heißt er in diesem Fall, weil er auf ‚nur‘ drei bis vier Etappen gekürzt wurde. Die Strecken sind von 10 bis 17 Kilometer lang und erfordern daher eine gute Grundkondition von Hund und Hundehalter. Belohnt werden beide mit herrlicher Landschaft und wunderschönen Übernachtungsmöglichkeiten. Alles selbstverständlich hundefreundlich.

Sagenhaftes Hunde-Vergnügen – und jenseits des Nationalparks kann ohne Leine getobt werden.

Beginnen Sie ganz geruhsam mit einer (oder mehr) Übernachtung(en) in dem zu unrecht als Elend benannten Flecken und stimmen sich in dieser romantischen Natur auf den weiteren Streckenverlauf ein. Oder bleiben Sie ganz einfach hier, denn Elend mangelt es nicht an schönen Wanderstrecken für Vier- und Zweibeiner. Die Etappentour aber führt uns von Elend nach Rübeland (ca. 16 km) mit seinen Tropfsteinhöhlen und weiteren Highlights wie dem Wormketal, dem schönen Königshütter Wasserfall, dem Teifenbachtal und der Hohen Kleef. Von Rübeland wandern Sie auf einer ca. 17 Kilometer langen Tour nach Treseburg. Diese Strecke punktet mit Natur pur auf idyllischen Pfaden durch Wald und Wiesen. Gleichzeitig durchwandern Sie ein altes Gebiet des Bergbaus mit der Talsperre Wendefurth und dem schönen Mühlental. Treseburg ist ein idyllisches Örtchen und das Tor zum Bodetal. Wer möchte, der verweilt ein paar Tage hier und unternimmt Wandertouren vor Ort. Oder geht noch eine weitere kurze Etappe nach Thale und Quedlinburg (jeweils ca. 10 km mit Bahnhöfen), mit den besonderen Sehenswürdigkeiten wie dem Langen Hals (Aussichtspunkt), der Teufelsbrücke, Rosstrappe und dem berühmten Hexentanzplatz, wo Sie allerdings in der Saison auf sehr viele Wanderer treffen werden.

Die Wanderwege im Harz haben etwas Mystisches an sich

Regensburg und die Jura-Wanderwege

Das fränkische Regensburg ist seit 2006 UNESCO-Weltkulturerbe und eine herausragend schöne Gegend, um mit Hund rundum glücklich zu werden. Die Bayern im Allgemeinen und die Regensburger im Besonderen sind scheinbar Hundenarren. Mein Hund und ich sind so vielen Restaurantbetreibern für ihre Gastfreundlichkeit und Offenheit dankbar, dass ich es gar nicht aufzählen könnte. Ein Wassernapf und ein hündisches Amuse-Gueule aus der Küche war in vielen Lokalen eine Selbstverständlichkeit. Kein Wunder also, dass wir Regensburg und Umgebung lieben. Zumal die Gegend so viel Schönes und Abwechslungsreiches zum Erwandern bietet. Die hiesigen öffentlichen Verkehrsmittel lassen in den allermeisten Fällen auch nichts zu wünschen übrig.

Ein Abstecher nach Regensburg lohnt sich

Besonders aufmerksam machen möchte ich Sie auf das Altmühltal, die Fränkische Alb (Fränkische Jura) mit dem Jurasteig und auf den Donau-Panoramaweg, der mehrere Etappen hat. Allen Wanderern, die die Abwechslung zwischen Kultur- und Naturdenkmälern suchen, empfehle ich die Strecke von Kehlheim (südlich von Regensburg) nach Kloster Weltenburg an der Donau. Der Weg entlang der Donau ist voller spannender Momente. Folgen Sie der Beschilderung „Donaupanoramaweg“ und dem „Weltenburger Höhenweg“ (Weg Nr. 3 der „Weltenburger Enge“). Kapellen, Einsiedeleien, Höhenkreuze, atemberaubende Ausblicke, ein weltberühmtes Kloster mit dem imposanten Donaudurchbruch, schöne Einkehrmöglichkeiten und vieles mehr erwarten Sie hier. Die Strecke ist nur 9 Kilometer lang, die ich am liebsten als Rundtour gehe. Landschaftlich ist die Strecke Kehlheim-Kloster-Weltenburg und auf der rechten Donauseite zurück ein absoluter Höhepunkt. Planen Sie ausreichend Zeit ein, um das schöne Kloster der Gebrüder Asam gebührend zu würdigen. Das Kloster liegt pittoresk direkt an der Donau mit herrlich breiten Sandbänken und dem ehrfurchtgebietenden Donaudurchbruch. Ein schöner Biergarten, die „Klosterschenke“ im Klosterinnenhof, lockt mit selbstgebrautem Bier und selbstgemachten typischen bayerisch-pfälzer Spezialitäten. Auf dem Rundweg wechseln Sie von schmalen Pfaden auf breite Alleen, es erwarten Sie auch steilere (aber kurze) Passagen, um auf den Höhenkamm der Donau zu gelangen. Zu den Highlights rechts und links des Weges gehören die Befreiungshalle, die Frauenbergkapelle, der mittelalterliche Wolfgangswall mit dem besten Blick auf den Donaudurchbruch, das Wieser Kreuz und – mein Favorit unterwegs – die Einsiedelei Klösterl, wo Ihr Hund entspannen und Wasser trinken kann, Sie hingehend in schöner Atmosphäre herrlich essen & trinken können. Kehlheim selbst hat eine historische Altstadt und ein archäologisches Museum.

Paradiesisch ist es dort, wo Hunde ihren eigenen Stuhl bekommen

Wer direkt vor der Regensburger Haustür die Kreideformationen des Jura erleben möchte, der unternimmt eine kurze Fahrt mit den öffentlichen Nahverkehrsmitteln und ist in Sinzing. Hier erwarten Sie viele Naturwanderwege, die als Rundwanderwege angelegt sind. Beispielsweise der Mattinger-Donaufähre-Rundweg. Dabei haben Sie die Möglichkeit, mit einer Seilfähre nach Matting überzusetzen, nachdem Sie zuvor die Mattiner Hänge durchwandert haben. In Matting trockenen Fußes abgesetzt, kehren Sie am besten auf eine wohlverdiente Stärkung in die Gastwirtschaft „Zunftstüberl“ mit ihrem schönen Außenbereich direkt an der Donau und guten zünftigen Wandergerichten. Ihr Hund bekommt garantiert auch etwas.

Der idyllische Donaupanoramaweg mit den stolzen Kreidefelsen und dem staunenswerten Donaudurchbruch ist für Hund & Begleiter ein vielseitiges Vergnügen.

Mein persönlicher Tipp zur Einkehr

Die Wandergegend um Regensburg ist voller schöner, traditionsreicher Ausflugslokale und Gastronomie, die auch gehobene Gaumenansprüche vollauf befriedigen. Biertrinker kommen garantiert auf ihre Kosten, denn fast jedes Ausflugs- und Traditionslokal lässt sein eigenes, regionales Bier brauen. Wer noch nicht auf den Biergeschmack gekommen ist, der wird möglicherweise hier bekehrt, so wie es mir passiert ist! In Regensburg ist für mich das Restaurant & Bistro Orphée ein Muss. „Orphée“ ist ein geschmackvoll im originalfranzösischen Stil des Jahres 1896 eingerichtetes Lokal, das den alten Charme behutsam aber nonchalant pflegt. Unter Liebhabern besonderer Locations ist dieses Restaurant vermutlich kein Geheimtipp. Reservierungen sind obligatorisch, und ich empfehle für den besonderen „Abend mit Hund“, einen Tisch im hinteren, wesentlich ruhigeren Teil des Restaurants zu reservieren. Geheimtipp ist aber die Mittagskarte – Bestes zum guten Preis –, aber seien Sie lieber zu früh als zu spät dort. Es erwartet Sie Köstliches ohne überflüssiges Chichi. Wird es Ihnen und Ihrem Hund im „Orphée“ zu eng, zu voll oder vielleicht auch etwas zu teuer, dann habe ich für Sie Tipp Nummer Zwei: Gleich im Innenhof vom „Orphée“ finden Sie die Bodega Vinos y Tapas mit – natürlich – ganz vielen spanischen Miniköstlichkeiten in einem wunderschönen historischen Innenhof, wo sich Ihr Hund sicherlich wohlfühlen wird.

Hier im Innenhof der Bodega Vinos y Tapas fühlt sich auch Ihr Hund wohl


Und wann gehen Sie mit Ihrem Vierbeiner auf Wanderschaft?

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