Wandern mit Hund auf Texel

Die niederländische Insel Texel ist nicht nur ein Eldorado für Strandurlauber und Radfahrer, sondern eignet sich auch hervorragend zum Wandern. Mal abgesehen davon, dass sich 30 Kilometer Strand auch schon sehr gut für ausgiebige Erkundungsgänge eignen, gibt es zahlreiche Wanderwege durch die Dünenlandschaften, Naturschutzgebiete und Wälder – und die sind natürlich auch alle mit Hund(en) machbar.

Hunde sind auf der niederländischen Insel Texel herzlich Willkommen

Ich stelle euch heute meine sechs Lieblingswanderungen vor.

Ein Strand und zwei Naturschutzgebiete

1. und 2. De Slufter und De Muy

Einer meiner absoluten Lieblinge ist die Wanderung durch die beiden Naturschutzgebiete De Slufter und De Muy, die wir in der Regel mit einem langen Strandspaziergang beginnen. Diese Strecke ist insgesamt etwa 11 Kilometer lang. Start ist der Parkplatz an Paal 21, der sich etwas außerhalb von De Koog befindet.

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Hier geht es erst einmal zum Strand und hinunter zum Wasser. Ihr wendet euch nach rechts und lauft in Richtung Paal 24 (immer dem Leuchtturm entgegen). Der Strand ist – wie fast überall auf Texel – endlos breit, endlos lang und endlos weiß! Und wenn dann noch die Sonne vom Himmel strahlt und eine leichte Brise um die Nase weht, dann ist es ein perfekter (Wander-)Tag.

Die Dünen von Texel gehören zu den schönsten der Nordseeküste

Wir kommen – egal zu welcher Jahreszeit – immer nur sehr langsam vorwärts. Da erforscht Dayo auf vorsichtigen Pfoten, wie sich die Nordsee anfühlt, während Suri sorgsam darauf achtet, keinesfalls nasse Pfoten zu bekommen. Und jedes Mal genieße ich die Strand- und Dünenlandschaft aufs Neue – von den flachen Prielen, über das sanfte Geplätscher der Wellen bis hin zum Kreischen der Möwen, den bizarren Landschaften aus Sand und längst vergessenen Bunkerteilen, die aus dem Sand herausragen.

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Aber irgendwann erreichen wir immer Paal 24 und biegen in De Slufter ein. Die Niederlande sind fast an der gesamten Küstenlinie durch Deiche vor dem Zugriff der Nordsee geschützt. Nur in De Slufter ist das nicht so. Hier kann das raue Meer ungebremst in das Land eindringen. Bei einem starken Sturm kann es dann passieren, dass das gesamte Gebiet überflutet wird.

Das Gebiet von De Slufter ist endlos weit, nur vom Hochwasser wird es beizeiten verschluckt

So hat sich hier ein einzigartiges Salzwiesengebiet entwickelt, das nach einem Sturm Mitte des 19. Jahrhunderts entstand, als die Nordsee ungehemmt durch die schützenden Dünen brach. Bis heute konnte dieser Durchbruch nicht mehr geschlossen werden. Und so gibt es hier nun ein wunderschönes Naturreservat, in dem viele Vogelarten und seltene Pflanzen zu Hause sind. Und je nachdem, wie das Wetter und die Gezeiten sind, steht hier manchmal (fast) alles unter Wasser.

Wenn die Nordsee den Menschen wohl gesonnen ist, dann könnt ihr durch De Slufter bis zum Deich spazieren. Dort angekommen, lohnt sich der Aufstieg bis nach oben auf die Aussichtsplattform. Hier weht meistens nicht nur eine ordentliche Brise, sondern hier liegt euch ganz De Slufter zu Füßen.

Dann schnell wieder runter und abgebogen in Richtung Süden (De Koog), wo nach kurzer Zeit das nächste Naturschutzgebiet wartet. Hier beginnt De Muy, das ordentlich eingezäunt ist, damit die hier lebenden Rinder nicht auf unbesonnene Ausflüge gehen können. Auch hier ist die Sturmflut von 1851 dafür verantwortlich, dass es dieses Gebiet überhaupt gibt. Allerdings konnte hier der Durchbruch der Nordsee abgedichtet werden.

Das gesamte Areal ist von Süßwasser-Feuchtwiesen durchzogen. Und überall grasen Galloway-Rinder. Dabei stören sich die mächtigen Tiere nicht daran, dass hier Menschen (und Hunde) durchspazieren. Wenn sie auf dem Weg stehen, stehen sie auf dem Weg! Es ist erlaubt, mit Hunden durch dieses Gebiet zu spazieren, wenn die Vierbeiner an der Leine sind. Das solltet ihr aber nur tun, wenn eure Hunde entspannt damit umgehen können, dass die Rinder hier frei laufen und durchaus einfach auf dem Wanderweg eine Pause einlegen.

Für Dayo und Suri sind die Galloways keine besonders große Attraktion. Sie kennen Kühe und wundern sich sicherlich nur, warum die hier in De Muy mitten auf dem Weg stehen. Was Suri viel mehr faszinierte, waren die Frösche, die überall in den Seen herumspringen und quaken. Sie wäre da schon gerne mal hinterher, aber De Muy bietet nicht nur Rindern eine Heimat, sondern ist auch Lebensraum für viele Vogelarten. So kann es in der Brutsaison passieren, dass der ein oder andere Wegabzweig geschlossen ist.

Wenn ihr die typische Texelsche Scheune sehen könnt, dann habt ihr es fast geschafft. Der letzte Wanderabschnitt führt entlang der Straße zurück zum Parkplatz.

Am Strand finden sich viele längst vergessene Bunkerteile, die aus dem Sand herausragen

Aus dieser langen Wanderung könnt ihr auch zwei kleinere Wanderungen machen. Wenn ihr auf dem Parkplatz an Paal 21 parkt und an der Straße etwas zurücklauft, kommt ihr direkt in das Naturschutzgebiet von De Muy. Dort könnt ihr dann eine Rundwanderung machen, die über einen schönen Aussichtspunkt an den Strand führt, an dem ihr dann zurücklauft. Oder ihr parkt am Ende des Slufterwegs und erkundet von dort aus mit einem Rundspaziergang De Slufter.

Für Hunde sind die Strände von Texel in der Nebensaison perfekt

Auf den Spuren der Schafe und der Ostindischen Kompanie

Zwei weitere sehr schöne Wanderrouten führen durch das Inselinnere von Texel. Und auch diese beiden Strecken können einzeln oder in einem Stück „abgewandert“ werden. Dabei handelt es sich einmal um die De Hoge Berg-Wanderung, die ihr in Den Burg starten könnt und die etwa 6,5 Kilometer lang ist. Die VOC-Route startet in Oudeschild und ist ungefähr 5 Kilometer lang.

Die Wanderwege auf Texel sind gut ausgeschildert

3. De Hoge Berg 

De Hoge Berg heißt der „hohe Berg“. Tatsächlich erklimmen wir hier die höchste Erhebung von Texel und befinden uns dann 15,3 Meter (!) über dem Meeresspiegel. Der ausgeschilderte Wanderweg führt kreuz und quer durch Koppeln und Wiesen. Mal geht es über schmale Trampelpfade, mal über asphaltierte Wege und Straßen. Wir haben De Hoge Berg im April erkundet und konnten hunderte von Texelschafen mit ihren putzigen Lämmern beobachten, wie sie durch die grünen Wiesen getollt sind.

Mehr Natur geht nicht: Im Frühjahr kann man die süßen Lämmer umhertollen sehen

Das besondere an diesen Wiesen und Koppeln ist, dass es hier fast keine Zäune wie bei uns gibt. Da es auf Texel früher kaum Holz gab, wurden die Umzäunungen aus Grassoden gebaut und sehen wie kleine Wälle aus.

Außerdem kommt ihr immer wieder auch an den für Texel so typischen Scheunen vorbei. Die sehen irgendwie so aus, als fehle da noch die Hälfte. Das kommt daher, dass es nur auf einer Seite eine Dachschräge gibt. Und diese ist immer in die Richtung ausgerichtet, aus der die meiste Zeit der Wind weht – in dem Fall aus Westen. Wer jetzt glaubt, die Schafe und Lämmer könnten sich hier bei Regen und Wind unterstellen, der irrt. Die Scheunen dienen zur Aufbewahrung von Heu und landwirtschaftlichen Geräten.

Die Scheunen in Texel fallen durch ihre besondere Dachkonstruktion auf

Aber auf der De Hoge Berg-Tour gibt es nicht nur viel Natur und viele Schafe zu erleben. Wer sich für Geschichte interessiert, wird auf dem Georgischen Friedhof fündig. Ende des Zweiten Krieges kam zu einem Aufstand der georgischen Kriegsgefangenen gegen die deutschen Besatzer. Die Gefallenen wurden hier begraben.

4. Die VOC-Route

Für Geschichtsfans ist die fünf Kilometer lange VOC-Route genau das Richtige. Sie startet an der katholischen Kirche in der De Ruyterstraat in Oudeschild. VOC bedeutet „Vereinigte Ostindische Compagnie“, die im 17. Jahrhundert ihre Blütezeit hatte. Damals war Texel ein wichtiger Anlaufpunkt für die Schiffe der niederländischen Handelsorganisation. Denn hier lagen sie auf Reede und wurden bevorratet bevor es in die Ferne ging.

Die VOC-Route kann man an der Kirche von Oudeschild starten

Von Oudeschild führt der ausgeschilderte Wanderweg zum Bauernhof Brakestein. Direkt gegenüber des Bauernhofs befindet der Waisenbrunnen (Wezenputten), der einst dem Waisenhaus in Den Burg gehörte. Das Trinkwasser aus dem Brunnen wurde damals vom Waisenhaus an die vor Oudeschild liegenden Schiffe verkauft. Das Geschäft mit dem Trinkwasser florierte so gut, dass auch die Texeler Einwohner zur Kasse gebeten wurden, wollten sie aus dem Wezenputten Wasser holen.

Auf dieser Route gibt es Spannendes zu entdecken

Kurz darauf kreuzt die VOC-Route den De Hoge-Weg, dem ihr zunächst ein Stück folgt, bevor ihr dann links abbiegt, um in Richtung Fort de Schans zu laufen. Fort de Schans ist eine militärische Anlage aus dem 16. Jahrhundert, die von Willem van Oranje angelegt wurde, um Texel gegen die Spanier zu verteidigen. 1811 wurde diese Anlage sogar noch von Napoleon erweitert.

Auf der VOC-Route gibt es für Geschichtsinteressierte viel zu Entdecken

Das Gelände ist frei zugänglich und eignet sich hervorragend für ein Picknick. Hunde sind an der Leine willkommen. Von hier aus ist es nur noch ein kurzer Fußmarsch, bis Oudeschild wieder erreicht ist. Dabei kommt ihr an dem fast nicht mehr sichtbaren Fort Lunette und an der Redoute vorbei, die ebenfalls von Napoleon angelegt wurden.

Von wilden Pferden und schottischen Hochlandrindern

5. De Bollekamer 

An der Westseite von Texel und ganz im Süden – zwischen Paal 9 und Paal 12 – befindet sich De Bollekamer. Das ist eine wunderschöne Heide- und Dünenlandschaft, die Teil des Dünen-Nationalparks der niederländischen Insel ist. Hier leben Wildpferde und Rinder, die ihr mit ein bisschen Glück zu Gesicht bekommt.

In De Bollekamer herrscht Leinenpflicht

Ihr könnt entweder vom Parkplatz an Paal 12 (Anfahrt über Jan Ayeslag) oder von Paal 9 (Anfahrt über Hoornderslag) starten. Und wie bei den vorigen Wanderungen könnt ihr auch diese in zwei Teilen laufen. Darüber hätte ich vor zwei Jahren noch milde gelächelt, aber mit zwei über elf Jahre alten Rhodesian Ridgebacks werden die Strecken im Alter doch deutlich kürzer.

In De Bollekamer bewegt ihr euch in einer der ältesten Landschaften auf der Nordseeinsel. Im 18. Jahrhundert lebten hier noch Fischer und Bauern. De Bollekamer lag damals auch direkt am Meer. Im Laufe der Zeit änderte die Küstenlinie jedoch ihren Verlauf in Richtung Westen. So entwickelte sich hier eine Heide- und Dünenlandschaft, die es sich lohnt, zu erkunden. Heute sorgen die Exmoor-Ponys und schottische Hochlandrinder dafür, dass das Gebiet nicht komplett mit Sträuchern und Bäumen zuwächst.

Trotz Leinenpflicht fühlen sich die Hunde in diesem besonderen Naturschutzgebiet wohl

Wie in vielen anderen Naturschutzgebieten sind hier Hunde willkommen, aber es herrscht Leinenpflicht. Der Freigeist Dayo ist dann anfangs immer ein wenig mäkelig, weil sein Bewegungsradius eingeschränkt ist. Aber auch Freigeister müssen sich an Regeln halten, und irgendwann ist es auch ihm egal …

Was so alles im Naturschutzgebiet kreucht, fleucht und wächst, wird an den Eingängen anhand von Informationstafeln dargestellt. Und so schön Naturschutzgebiete zum Wandern sind – auf Texel führen (fast) alle Wege zum Strand.

Der Strand von De Bollekamer ist perfekt für lange Spaziergänge mit dem Hund

6. Spaziergang zum Bunker von Den Hoorn

Entweder ihr macht hier nun Schluss oder ihr kehrt zurück in das Naturschutzgebiet und macht euch auf den Weg zu Batterie „Den Horn“. Dieser Bunker, der auf einer Anhöhe der Loodsmansduin in der Nähe von Den Hoorn erbaut wurde, ist der letzte in diesem guten Zustand erhaltene Bunker und gilt deshalb als lokales Denkmal. Von hier oben habt ihr auf jeden Fall einen wunderbaren Rundumblick auf De Bollekamer, die Nordsee und Den Hoorn.

Der Bunker von Den Hoorn gilt als lokales Denkmal mit tollem Rundumblick

Tipps rund um die Wanderungen

  • Texel ist sicherlich eine der hundefreundlichsten Orte, die ich kenne. In den meisten Naturschutzgebieten herrscht Leinenpflicht. Bitte haltet euch auch daran. Wo Hunde frei laufen dürfen und wo eher nicht, dafür gibt es einen extra Hundeflyer, den ihr euch hier herunterladen könnt.
  • Bitte denkt immer daran, Wasser für den Vierbeiner dabei zu haben. Natürlich gibt es an allen Strandpavillons und vielen Restaurant gefüllte Wassernäpfe, aber unterwegs sind Wasserstellen in der Natur rar.

 


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