Die fünf schönsten Wanderungen in den Dolomiten

In der Tat eine gewagte Ankündigung, denn die allerschönsten Wanderungen der Dolomiten auszuwählen, ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Zu groß ist die Anzahl der Wege und Pfade vor Dolomitenkulisse, die uns ein ehrfürchtiges Staunen abringen. „Schönstes Bauwerk der Erde“ nannte sie der Architekt Le Corbusier einmal. Wir stellen also eine ganz subjektive „Best of“-Auswahl vor: für Genießer, Ambitionierte, Historiker, Familien – und ja, sogar Gehfaule!

1. Im Reich der märchenhaften Fanes

Fanes-Sennes-Prags Naturpark, Dolomiten

Der Naturpark Fanes-Sennes-Prags ist eines der größten Schutzgebiete Südtirols und gehört seit 2009 zum UNESCO Welterbe.

Das Fanesgebiet ist reich an wunderbaren Sagen: So sollen einst die Männer des Königshauses gegen die weiblichen Fanesmenschen gekämpft haben, die im Bund mit den Murmeltieren standen. Eine prähistorische Wallburg am Zehnerkofel belegt, dass das Gebiet tatsächlich einmal bewohnt war. Heute wird es vor allem von Wanderern und Radfahrern aufgesucht, die dem Zauber der Region auf die Schliche kommen wollen.

Einen hervorragenden Querschnitt durch das Fanesgebiet bietet die Streckenwanderung von der Capanna Alpina zur Faneshütte weiter nördlich. Rund drei Stunden sollten dafür eingeplant werden (plus 2:30 Std., falls man auf gleicher Strecke zurückkehrt). Der imposante Start führt an hoch aufragenden Felswänden entlang, bevor er sich zum Col de Locia aufschwingt. Nur mäßig ansteigend geht es zum Tadegajoch weiter, bevor man mit dem Limojoch die endgültige Eintrittskarte ins Herz der Fanes erworben hat: Jenseits davon kuscheln sich Lavarella- und Faneshütte um ein paar niedliche Seen herum – erstere eher ursprünglich-rustikal, letztere eine hotelähnlich geführte, aber ebenso empfehlenswerte Top-Hütte mit bestem Essen.

Wer keine Zeit für eine Übernachtung hat, kehrt entweder auf dem Anstiegsweg zurück oder steigt zum Refugio Pederu ab. Von dort kann man per Bus wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren.

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2. Der Klassiker: Langkofel-Umrundung

Lankofel, Dolomiten

Imposant – die Felswände des Langkofel ragen senkrecht in den blauen Himmel.

Die Langkofel-Umrundung ist für jedermann geeignet: für Familien mit Kindern, für gestandene Bergsteiger und sogar für Wandermuffel. Der Grund: Alle paar Stunden taucht eine einladende Berghütte auf, die zum Verweilen, Essen, Trinken oder auch Übernachten einlädt. So kann man sich seine Etappen sehr individuell einteilen. Ambitionierte bauen zusätzlich ein paar Gipfelbesteigungen ein.

Los geht es in St. Christina, wo einen der Monte-Pana-Sessellift gleich einmal auf 2000 Meter Höhe befördert. Ab hier geht es in leichtem Auf und Ab, nur zuletzt kräftig, aber kurz ansteigend auf die Langkofelhütte (1:15 Std.), die beeindruckend in einem steinernen Kar liegt, von hohen Felswänden umgeben ist und alpines Flair schnuppern lässt.

Weiter führt der Grödener Höhenweg zur Plattkofelhütte (ca. 1:30 Std. von der Langkofelhütte), die mit Liege- und Hängestühlen auf den müden Wanderer wartet. Ein Abenteuerspielplatz verwöhnt die Kinder. Sportliche und Unausgelastete können einen Abstecher auf den Plattkofel (2.958 m; ca. 2 Std. bis zum Gipfel) in Erwägung ziehen.

Bis zum Refugio Sandro Pertini geht es nun relativ eben auf dem Friedrich-August-Weg dahin (0:45 Std. ab Plattkofelhütte). Unterwegs sollte man unbedingt Ausschau nach den sonst so scheuen Murmeltieren halten, die hier sehr oft gesichtet werden. Ab der Friedrich-August-Hütte wird es dann etwas trubeliger mit den Tagesgästen, die vom Sellajoch heraufkommen (bis Sellajoch weitere 0:45 Std.). Nun muss man sich entscheiden: Wer den gemütlichen Weg fortsetzen möchte, wählt den Pfad durch die „Steinerne Stadt“, einer Felssturzzone mit zimmergroßen Felsblöcken – auch hier tummeln sich viele Murmeltiere – und gelangt in 1:15 Std. zur Comici-Hütte, bevor man die Umrundung mit einem Weg (oder einer Sessellift-Fahrt) ins Tal beschließt.

Bergerfahrene und trittsichere Wanderer können die „Abkürzung“ durch die felsige Langkofelscharte wählen (auch eine Auffahrt mit dem Lift ist möglich) und jenseits hinab zur bereits bekannten Langkofelhütte wandern. Hierfür ist Trittsicherheit gefragt; die Belohnung ist eine wahrlich alpine Kulisse, die man nur selten so hautnah auf einem bloßen Wanderweg erfahren werden kann.

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3. Dem Schlern aufs platte Haupt

Schlern, Dolomiten

Die charakteristische Form machen den Schlern zum Wahrzeichen Südtirols.

Der Schlern (2.564 m) mit seinem markanten flachen, dann jäh abfallenden Profil wurde bereits in der Eisenzeit als Kultplatz genutzt. Wer auf seinem Gipfel gestanden hat, kann nachfühlen warum. Die weite Ebene, die sich dahinter anschließt, hat etwas Magisches und Erhabenes.

Gleich sechs Wege führen zu den Schlernhäusern, die sich nur knapp unterhalb des höchsten Punktes befinden. Einer der schönsten startet auf der Seiser Alm, der größten Hochalm Europas. Von der Sessellift-Bergstation am Spitzbühel bis zur Saltnerhütte (1:00 Std.) lassen sich erst einmal die artenreiche Flora und welligen Wiesenkuppen ausgiebig bewundern. Der weiterführende Touristensteig Nr. 1 führt nun auf einem von unten gut einsehbaren Serpentinenpfad ohne große Umschweife auf das Plateau hinauf (2:00 Std. von der Saltnerhütte). Oben überrascht das stattliche Schlernhaus, das zu den ältesten Berghütten Südtirols gehört und schon allein deshalb eine Nächtigung lohnt. Ein Sonnenuntergang, der auf den gegenüberliegenden Rosengarten ein Farbspiel par excellence zaubert, gehört zu den eindrucksvollsten Erlebnissen am Gipfel des Schlern. Doch um diesen zu erreichen, sind noch ein paar wenige Höhenmeter zu bewältigen: In 20 Minuten hat man den höchsten Punkt, den Petz (2.564 m), von der Hütte aus erklommen. Wer noch Kraft in den Beinen hat, wandert weglos über das weite, wiesige Hochplateau bis zum Burgstall weiter.

Für den Rückweg bieten sich zwei Alternativen an. Wer es eilig hat oder nicht so gut zu Fuß ist, der kehrt auf dem Hinweg wieder zum Ausgangspunkt zurück. Wenn aber das Wetter und die Kondition es erlauben, sollte man eine Überschreitung des Schlernrückens unbedingt in Erwägung ziehen. Die aussichtsreiche Wegführung hält sich zunächst an die grasige Hochfläche, bevor es um die Roterd-Spitze herum und in steilen Serpentinen bergab zur Tierser-Alpl-Hütte geht (2:30 Std.).

Der Durchgang durch die Roßzähne bringen einen zum lieblichen Almgebiet zurück, wo man über Wiesen und Brettersteige durch feuchte Moorwiesen die Laurinhütte und wieder die Bergstation am Spitzbühel erreicht (2:00 Std. von der Tierser-Alpl-Hütte).

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4. Auf dem Dolomiten-Höhenweg Nr. 1 an der Civetta entlang

Civetta, Dolomiten

Die Runde um das Massiv zählt zu den eindrucksvollsten Touren der Dolomiten.

Die Civetta (3.220 m) – italienisch für Eule – ist ein wahrlich imposanter Berg. Der leichteste Anstieg ist ein langer und anspruchsvoller Klettersteig. Doch auch eine Wanderung zu ihren Füßen enthüllt einige ihrer Reize. Der berühmte Dolomiten-Höhenweg Nr. 1 nimmt uns ein Stück des Wegs mit und geleitet uns vom Parkplatz an der Forcella d’Alleghe bis zur Abzweigung zur Tissihütte. Unterwegs wartet die Coldaihütte auf uns (1:15 Std.), die den Übergang zum felsigen Bereich darstellt und kurz danach mit einem der schönsten Bergseen der Dolomiten aufwartet: dem Coldaisee. Das türkisgrüne Seelein lädt im Hochsommer zu einem Bad im erfrischenden Wasser ein. Frisch durchblutet marschiert es sich dann gleich leichter weiter zur Forcella di Col Negro (0:45 Std. ab Coldaihütte), hinter der es kurz begab geht. Danach steht schon der finale Anstieg zur Tissihütte und dem gleich dahinter gelegenen Gipfel Cima di Col Rean (2.281 m) an – ein Aussichtspunkt wie ein Adlerhorst, der beste Ein- und Ausblicke verspricht. Wer genießen möchte, bleibt über Nacht. Zurück geht es auf dem gleichen Weg.

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5. Ehemalige Kriegspfade rund um die Tofana di Rozes

Tofana di Rozes, Dolomiten

Die Wanderung rund um die Tofana di Rozes ist auch eine Reise in die Vergangenheit.

Die gewaltige Südwand der Tofana di Rozes (3.225 m) zieht auch Dolomiten-Verwöhnte in ihren Bann. Eine Umrundung ist gleichzeitig eine Zeitreise: Während des Ersten Weltkriegs verlief hier die Dolomitenfront, wovon einige Spuren noch heute zeugen.

Von der Großen Dolomitenstraße geht es zunächst aufwärts bis zur Forcella Col dei Bos. Nun führt der Weg auf die imposante Südwand zu, in der schwarze Löcher – ehemalige Kriegsstellungen – zu sehen sind. Der in leichtem Auf und Ab verlaufende Höhenweg bietet grandiose Aussichten auf die Gipfel der östlichen Dolomiten, bevor die Giussanihütte zu einer gemütlichen Rast einlädt (2:45 Std.). Auf dem Rückweg zur Forcella dei Bos – diesmal entlang der Nordseite des Berges – imponiert die massige, gebänderte Westwand, die hier einen ganz anderen Charakter des Berges vermittelt. Ein weiteres Überbleibsel aus dem Ersten Weltkrieg, eine in den steilen Fels gehauene Steiganlage, die nur mit Klettersteig-Set zu empfehlen ist, kann nordseitig umgangen, aber nichtsdestotrotz gebührlich bewundert werden: ein wahrlich luftiger Anstieg! Nun wieder bergauf zur Forcella (2:30 Std. ab Hütte), wo sich der Blick wieder nach Süden öffnet und der Weg in 45 Minuten zurück zur Dolomitenstraße führt.

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