Unterwegs auf den Kanarischen Inseln

Wer das Glück hat, alle kanarischen Inseln bereits besucht zu haben, wird „seine“ Lieblingsinsel bestimmt gefunden haben, so vielfältig sind die Landschaften. Vom schroffen und harten Lanzarote über die Düneninsel Fuerteventura bis hin zum sattgrünen La Palma. Alle Inseln haben ihre Eigenarten und ihre besonderen Momente.

LANZAROTE

Mirador del Rio und Fundación César Manrique

Beginnen wir unsere Reise im Nordosten des Archipels: Hoch oben vom Mirador del Rio fällt unser Blick auf die kleinste bewohnte Insel der Kanaren, auf La Graciosa, die Anmutige, und auf den Kanal, den sie von Lanzarote trennt. Der Aussichtspunkt befindet sich auf einer Steilklippe 475 Meter über dem Meer. Der Mirador del Rio wurde in den 70er Jahren vom lanzarotenischen Künstler César Manrique entworfen. Weder einen Besuch des architektonisch grandios in die Landschaft integrierten Miradors, noch sein ehemaliges Wohnhaus in den Lavafeldern Lanzarotes, sollte man sich entgehen lassen. Das Haus im traditionellen kanarischen Stil steht auf Lavablasen, die mit den Wohnräumen verbunden sind. Es beherbergt heute die Fundación César Manrique.

Zum Haus des Literaturnobelpreisträgers José Saramago 

Eine wahre Entdeckung auf Lanzarote ist das ehemalige Wohnhaus und die Bibliothek des Literaturnobelpreisträgers José Saramago. Wir hatten seine Bücher gelesen, ja sogar eines seiner Werke zufällig, und vielleicht aufgrund einer gewissen Koinzidenz, in unserem Reisegepäck. Wir wussten nicht, dass José Saramago viele Jahre auf Lanzarote lebte und arbeitete. Der Besuch und die fachkundige Führung durch seine privaten Räume hat uns sehr bewegt und uns den Autor sehr nahe gebracht. Am Ende des Rundgangs wird den Gästen, nach einer Tradition des ehemaligen Hausherren, Espresso angeboten. Saramago empfing so seine Freunde, Nachbarn und Postboten. Die beeindruckende Bibliothek ist im Nachbarhaus untergebracht.

Weinbau im schwarzen Lavagestein

Lanzarote ist die trockenste der Kanarischen Inseln. Die Landschaft ist karg, hart und schwarz. In dieser fast unwirklichen Gegend, in den Montañas del Fuego, den Feuerbergen von La Geria, betreiben die Bauern einen besonderen Trockenfeldbau. Und sie bauen nicht irgendwas an, sondern Wein. In mühevoller Handarbeit graben die Winzer bis zu drei Meter tiefe Löcher, sodass die Wurzeln der Rebstöcke den darunter liegenden Boden erreichen. In den Nächten speichern die Reben die kondensierte Feuchtigkeit. Kniehohe, im Halbrund um die Mulden aufgehäufte Trockenmauern schützen die Gewächse gegen den beständigen Nordostpassat. Wer diese Jahrhunderte alte Kulturtechnik einmal gesehen und den Rebsaft gekostet hat, wird begeistert sein. Der Wein kann direkt bei den Winzern verkostet und gekauft werden, zum Beispiel in der 1775 gegründete Bodega El Grifo mit eigenem Weinmuseum. Sie ist die älteste Bodega der Kanarischen Inseln und gehört zu den zehn ältesten Spaniens. Die verbreitetste Traube ist die Malvasía de Sitges, eine sehr alte Rebsorte, die ursprünglich aus Griechenland stammt. Die Weine sind aromatisch und konzentriert, Urlaubsmitbringsel, die Sie die Sonne und die Landschaft Lanzarotes schmecken lassen.

Weinanbau auf Lanzarote – die Trockenmauern schützen die Reben gegen den Wind.

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FUERTEVENTURA

Zur Felsenkapelle Nuestra Señora de la Peña (La Peñita)

Am Kirchplatz der Wallfahrtskirche Nuestra Señora de la Peña befindet sich das empfehlenswerte Restaurant Don Antonio.

Diese kleine Wanderung führt uns zurück ins 15. Jahrhundert. Der Legende nach soll der Franziskanermönch Juan de Santocraz eines Nachts im Barranco de Río Palmas Lichter in einer Felswand gesehen haben. Am nächsten Morgen machte er sich mit seinen Glaubensbrüdern daran, die Stelle zu untersuchen. Sie fanden die Statue der Felsjungfrau Nuestra Señora de la Peña (genannt La Peñita). Heute ist die kleine Alabasterschnitzerei, die eventuell die älteste Heiligenfigur der Kanarischen Inseln darstellt, in der Ermita de de la Peña in Vega de Río Palmas bei Betancuria zu besichtigen. Sie ist im Stil der französischen Spätgotik gefertigt, was vermuten lässt, dass sie der Eroberer Jean de Béthencourt aus Frankreich mitbrachte. Die Wanderung führt entlang des Barranco über Felsen und Wasserläufe, durch Palmenhaine und Gemüsegärten.

Tipp: An jedem dritten Septemberwochenende zieht eine Prozession mit der Heiligenfigur von Vega de Río Palmas zur Felsenkapelle.

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GRAN CANARIA

Auf den Spuren der Guanchen

Ein Feldarbeiter soll bei der Stadt Gáldar auf Gran Canaria im Jahre 1862 auf die bedeutendste Fundstätte mit Zeugnissen der Altkanarier oder Guanchen gestoßen sein: die Cueva Pintada, die bemalte Höhle. Eine andere Geschichte berichtet, dass sich der Hob­by-­Ar­chäo­lo­ge José Ramos Ori­hue­la 1873 in eine Felsspalte zwängte und in die Höhle fiel. Für kunst- und kulturinteressierte Gran Canaria-Urlauber ist ein Besuch der Höhle ein Muss. Es wird angenommen, dass es sich bei den Höhlenmalereien um die Darstellung eines Kalenders der Altkanarier handelt. Außerdem wurden zahlreiche Keramikgefäße, Idolfiguren, Tonsiegel, Stein- und Knochenwerkzeuge gefunden. Eine weitere Fundstätte liegt nur ein paar Kilometer entfernt: der Höhlenkomplex Cenobio de Valeron, bei dem es sich vermutlich um Korn- und Vorratsspeicher handelt. Leider ist hier auch zu sehen, in welch bedauerlichem Zustand sich viele Kulturstätten aus der vorspanischen Zeit befinden. Es werden durch die Inselregierung offensichtlich nicht allzu große Anstrengungen unternommen, zu deren Erhalt beizutragen.

Im Wilden Westen von Gran Canaria

Sehr eindrucksvoll – die zerklüftete Landschaft von Gran Canaria.

Bei einer Wanderung im Westen von Gran Canaria reicht nur wenig Fantasie, um sich vorzustellen, wie die Guanchen noch bis in das 15. Jahrhundert hier gelebt haben: auf sanften Hochebenen, in zerklüfteten Bergen und den Wäldern von Tamadaba.  Diese anstrengende Wanderung startet bei dem kleinen Weiler El Sao auf über 550 Meter über dem Meer. Auf teilweise ausgesetzten schmalen Pfaden geht es hinauf auf 1.300 Höhenmeter. Teilstrecken verlaufen auf dem von den Eroberern angelegten Pflasterweg Camino Real. Das Dorf El Hornillo klebt, ja klammert sich gar an die steilen Berghänge. Unterwegs stoßen wir auf eine ehemalige Wohnhöhle. In einer Nische liegen Visitenkarten, Zettel und kleine Heftchen mit Grüßen und Wünschen der Wanderer. Der Ort erinnert an eine Kapelle mit Dank- und Bittschriften – Altar und Pinnwand zugleich.

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LA PALMA

Unsere Liebe Frau vom Schnee

Noch einmal, diesmal auf La Palma, besuchen wir einen Wallfahrtsort mit einer verehrten Heiligenfigur. Doch diesmal ist es nicht der Felsen, sondern der Schnee: Nuestra Señora de las Nieves, hoch oberhalb von Santa Cruz. Die Inselhauptstadt besitzt die schönste zusammenhängende Altstadt des Archipels. Besonders stolz sind die Palmeros auf ihre reich mit Blumen und Pflanzen geschmückten Balkone. Am Ortsrand von Santa Cruz beginnt der Aufstieg zum Santuario einem Barranco folgend, vorbei zunächst an neueren Wohnanlagen, dann an alten Fincas, Bretterverschlägen und spätmittelalterlichen Mühlen.

Von den insgesamt dreizehn Mühlen, sind noch vier erhalten. Sie wurden zum Mahlen des Getreides für Gofio genutzt.

Die Anlagen waren noch bis ins 20. Jahrhundert hinein in Betrieb. Oben angekommen, stehen wir auf einer ruhigen Plaza mit schattigen Bäumen, einem Brunnen und einer einfachen Einkehr. Das Grillrestaurant (Parrilla) bietet deftige und leckere palmerische Küche. Die Kirche stammt aus dem 17. Jahrhundert. „Unsere liebe Frau vom Schnee“ ist jedoch wesentlich älter, vermutlich aus dem 14. Jahrhundert.

Tipp: Alle fünf Jahre wird die „reichste Frau der Insel“ in Gewändern aus kostbaren Stoffen und Edelsteinen in einer feierlichen Prozession nach Santa Cruz hinabgetragen. Die La Bajada de la Virgen, der Abstieg der Jungfrau, ist (neben dem Karneval) das Hauptereignis der Insel und findet das nächste Mal 2020 statt.

Und überall Pilze – La Palma kulinarisch

Bei einem unserer Urlaube auf La Palma machte uns die Ankündigung einer „Pilzmesse“ neugierig. Was mag uns erwarten? Pilznerds treffen sich zu mykologischen Fachgesprächen? Unsere nicht ganz ernst gemeinte Vermutung traf zumindest teilweise zu. Wir lernten die international anerkannte Grand Dame unter den Mykologen kennen: Rose Marie Dähncke, die seit vielen Jahrzehnten auf La Palma lebt. Wir kamen mit Frau Dähncke ins Gespräch. Es ging um die herausragenden Wandermöglichkeiten auf La Palma und die vielen Pilze, die man hier finden kann. Wir ließen uns einige gut zu unterscheidenden Sorten zeigen und erhielten Tipps zu ihrem kulinarischen Wert. Zuweilen bekommt man in ambitionierten Restaurants die heimischen Pilze geboten, so man sie nicht selber sammeln möchte. Mit Frau Dähncke trafen wir uns einige Wochen später noch einmal und ließen uns ihr „Inselkochbuch“ aus den 80er Jahren signieren.

Auf La Palma wächst eine Vielzahl an Pilzen.

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LA GOMERA

Auf alten Palmzapferwegen

Auf dem letzten Ausflug unserer Kanarenrundreise geht es noch einmal auf eine kulinarische Entdeckungstour. Auf La Gomera stoßen selbst Tagesgäste, die von Teneriffa aus die Insel besuchen, unweigerlich auf den überall feilgebotenen Palmenhonig – Miel de Palma: Eine besondere Spezialität, die aus dem Blutungssaft der Dattelpalmen gewonnen wird. Auf einem Wanderweg, hoch oberhalb der Küste im Nordwesten La Gomeras, stoßen wir auf einige Palmen, die gerade „in Betrieb“ sind. Die Gelegenheit lassen wir uns nicht entgehen und steigen eine Leiter hinauf in die Krone einer Palme, um zu sehen, wie der frische Saft (guarapo) abgezapft wird. Die oberen Blätter sind abgeschlagen, in den Kopf der Palme ist eine Mulde geschabt. Darin sammelt sich die süße, zähflüssige Masse, die der Palmzapfer jeden Morgen abnimmt, da die das Sonnenlicht schnell zersetzt. Wir probieren das „Rohmaterial“. Es schmeckt zuckersüß und ein wenig muffig – vermutlich durch die schon hoch stehende Sonne. Liefert die Palme keinen Saft mehr, wird die Blutungsstelle verschlossen und die Palme darf sich einige Jahre erholen, bis sie wieder zum Aderlass gebeten wird.

So wird auf La Gomera der traditonelle Palmenhonig „Miel de Palma“ gewonnen.

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