Der Harz für kleine Urlauber mit großer Wanderlust

„Wie lange noch?“ und „Ich kann nicht mehr!“ gehören auf einer Wanderung im Harz keinesfalls zu den Standardsätzen, die aus Kindermündern zu vernehmen sind. Viel zu abwechslungsreich und spannend sind die Themen- und Mit-Mach-Wanderwege im höchsten Mittelgebirge Norddeutschlands. Das insgesamt über 8.000 Kilometer umfassende Wegenetz hält einmalige Wandererlebnisse für die ganze Familie mit Kindern aller Altersstufen bereit.

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Die geheimnisvollen Orte des Harzes lassen sich wunderbar mit Kindern entdecken

Von Baumwipfel zu Baumwipfel

Einfach nur wandern? Die Aufmerksamkeit Ihrer Kinder ist Ihnen sicherer, wenn am Ende ein besonderes Highlight lockt. Die Erlebniswelt Baumwipfelpfad in Bad Harzburg ist ein solches einzigartiges Ausflugsziel und lässt sich sehr gut mit einer kleinen Wanderung im Vorfeld verbinden. Sie können zusammen mit den kleinen Abenteurern beispielsweise mit der Seilbahn auf den Großen Burgberg fahren und von dort aus den rund 2,5 Kilometer langen Weg, der ohne bemerkenswerte An- und Abstiege auskommt, bis zum Baumwipfelpfad HARZ gehen. Der Wanderpfad in luftiger Höhe von bis zu 26 Metern führt auf einer Gesamtstrecke von einem Kilometer durch alte Baumkronen und über 18 Aussichtsplattformen, auf denen sich verschiedene Erlebnis-, Ruhe- und Wissensstationen befinden. Er ist barrierefrei und eignet sich für alle Altersgruppen.

Adrenalin pur: Auf über 20 Metern Höhe von Angesicht zu Angesicht mit den Baumwipfeln spazieren gehen.

Auf Natur-Entdeckungstour im Harz

Kurz hinter dem Bahnhof der Brockenbahn in Drei-Annen-Hohne beginnt der liebevoll gestaltete Löwenzahn-Entdeckerpfad, der mit sieben Erlebnisstationen auf wissbegierige Kids wartet. Neben Spurensuche, Barfußpfad und Wald-Memory gehören die Träumerbank und die Höreule zu den Highlights des Weges. Die bunte Mischung aus Bewegung, Spaß und Wissenswertem fasziniert die Kleinen genauso wie die Großen. Einige Stationen fordern zu einem Familien-Wettkampf heraus, zum Beispiel wenn es heißt, mit den Tieren des Waldes beim Weitsprung um die Wette zu springen. Je nach Abenteuerlust und Entdeckergeist Ihrer Kinder benötigen Sie für den Löwenzahn-Erlebnispfad hin und zurück etwa zwei bis drei Stunden. Für eine Pause bietet sich der HohneHof an. Dort gibt es ein Café und einen Abenteuerspielplatz.

Ob barfuß den Waldboden spüren oder herausfinden, warum Eulen so gut hören: Auf Themenwegen erfahren Kinder wandernd viel Wissenswertes aus der Natur.

Tipp: Die Brockenbahn macht auf ihrem Weg zum Gipfel oder in die andere Richtung nach Wernigerode einen Zwischenstopp am Bahnhof in Drei-Annen-Hohne. Ein Ausflug auf den höchsten Berg des Harzes oder zumindest eine Fahrt mit der dampflokbetriebenen Schmalspurbahn lässt sich also prima vor oder nach dem Löwenzahn-Entdeckerpfad einbauen.

Wachsam sein und Luchsen begegnen

Tiere üben auf Alt und Jung eine große Faszination aus. Sie zum Mittelpunkt einer Wanderung zu machen, ist deshalb eine gute Idee und motiviert selbst Kinder, die ein wenig fußfaul sind. Von der Bergstation der Burgberg-Seilbahn in Bad Harzburg führt ein ausgeschildeter Wanderweg in rund einer Stunde zu den beiden Luchs-Schaugehegen an der Rabenklippe. Auf den circa vier Kilometern sorgen Deutschlands größtes Ameisen-Formicarium und die Ruinen der Harzburg für Abwechslung. Oben angekommen haben Sie den besten Blick auf die Gehege von der großen Besucherplattform. Da Luchse sehr scheue Tiere sind, die sich gern verstecken, ist nicht garantiert, dass Sie eines der Tiere zu Gesicht bekommen. Auf Nummer sicher gehen Sie, wenn Sie mit Ihren Kindern an einem Mittwoch oder Samstag vorbeischauen. An beiden Tagen findet um 14.30 Uhr eine öffentliche Fütterung statt. Sollten Sie danach selbst Hunger haben, können Sie in die Waldgaststätte Rabenklippe einkehren.

Ein tierisches Highlight wartet an der Rabenklippe bei Bad Harzburg: ein Schaugehege mit Luchsen.

Natur hautnah und mit allen Sinnen erleben

Seit 2006 begeistert der Walderlebnispfad in Goslar kleine und große Naturfreunde. Auf den drei Kilometern Wegstrecke befinden sich 19 Erlebnis- und Mit-Mach-Stationen, die entspannen, erfreuen, inspirieren, Wissen vermitteln oder in Staunen versetzen. Den Anfang macht beispielsweise ein Insektenhotel, das über die wichtige Rolle, die viele kleine Krabbeltiere für das Öko-System haben, informiert. Im weiteren Verlauf lädt ein Balancierbereich dazu ein, sein Gleichgewicht unter Beweis zu stellen, in einem Baumhaus stehen Tierspuren im Mittelpunkt und wer sich einen Stock sucht, kann das Waldxylophon erklingen lassen und die Luft mit Musik erfüllen. Eine Pause wird spätestens auf dem Waldbett fällig: Für einen Moment innezuhalten, in die Baumwipfel zu gucken und in den Wald hineinzuhorchen gibt neue Energie und Kraft – zumindest den Erwachsenen. Probieren Sie es aus! Die Kleinen haben erfahrungsgemäß genug Power für den ganzen Tag und sind unermüdlich.

Lebendiger Unterricht: Draußen in der Natur ist Biologie doppelt spannend.

Die Teufelsmauer: ein Paradies für Kletteraffen

Für die Teufelsmauer bei Blankenburg sollten kleine Abenteurer bereits etwas geübt sein, denn auf dem rund 7 Kilometer langen Rundweg geht es ordentlich auf und ab. Wenn Ihre Kinder aber sowohl Trittsicherheit als auch Spaß am Klettern mitbringen, werden sie auf dieser anspruchsvollen Wanderung voll und ganz auf ihre Kosten kommen. Ausgesetzte Stellen auf dem felsigen Kammweg sind zwar mit einem Geländer gesichert, sollten aber dennoch mit Konzentration und Vorsicht begangen werden. Alternativ können Sie den südlichen Hangweg nehmen, der die Nerven deutlich weniger strapaziert. Höhepunkt ist mit Sicherheit der 322 Meter hohe Großvaterfelsen, von dem aus  Sie einen fantastischen Blick genießen. Spannender für die kleinen Entdecker sind dagegen der Fuchsbau mit seinem engen Gang und der Wendeltreppe sowie die Felsen samt Höhle am Hamburger Wappen. Für die Umrundung der Teufelsmauer planen Sie am besten mindestens drei Stunden ein.

Die Felsen der Teufelsmauer ziehen Kletterer magisch an

Märchenhafter Aufstieg zum Brocken

Früh übt sich, wer ein Gipfelstürmer werden möchte! Mit 1.141 Metern ist der Brocken der höchste Berg des Harzes. Es gibt verschiedene Möglichkeiten für einen Aufstieg. Wenn Sie Kinder mit an Bord haben, die gut zu Fuß sind, ist der Märchenpfad „Das weiße Reh“ von Schierke bis zum Brockenhaus auf dem Gipfel die spannendste Variante. Aber Obacht: Es liegen 5 Kilometer und circa 500 Höhenmeter vor Ihnen und den kleinen Gipfelstürmern und zum Teil geht es über steile, steinige und wurzelreiche Pfade. Während des Weges, der mitten durch den wunderschönen Nationalpark Harz führt, gibt es sechs Stationen, an denen der Junge Albert das Märchen vom weißen Reh erzählt. Das Brockenhaus auf dem Gipfelplateau ist das Ziel. Hier geht auch die Geschichte zu Ende und das Geheimnis um das weiße Reh wird aufgelöst. Bevor es wieder hinab geht, sollten Sie einen Blick in die Erlebnis-Ausstellung werfen und sich in der Cafeteria eine Stärkung gönnen.

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Auch die Brockenbahn ist ein echtes Highlight für Kinder

Tipp für eine Extra-Runde: Noch nicht aus der Puste? Auf dem Gipfel führt der 1,6 Kilometer lange Brockenrundweg einmal um das Plateau herum. Der höchstgelegene Wanderweg des Harzes belohnt mit herrlichen Aussichten.

Es war einmal: Rätselraten auf dem Märchenweg

Der Wernigeröder Märchenweg eignet sich ideal für Familien mit kleineren Kindern. Auf circa 2,5 Kilometern und 180 Höhenmetern begegnen Ihnen nicht nur die bekannten Märchenfiguren der Gebrüder Grimm, sondern auch abwechslungsreiche Stationen, an denen die kleinen Wanderfreunde Rätsel lösen können. Die Antworten notieren die Eltern auf dem Flyer, der zum Beispiel am Anfang des Weges am Schaukasten ausliegt, und geben ihn im Waldgasthaus Armeleuteberg ab, das als Endpunkt sowieso der perfekte Ort für eine Rast ist. Wer richtig geraten hat, bekommt eine kleine Überraschung. Lohnenswert ist außerdem der Aufstieg auf den zwölf Meter hohen Kaiserturm, der sich nur einen Katzensprung vom Gasthaus entfernt befindet und eine große Aussichtsplattform besitzt. Auf dem Wernigeröder Märchenweg gibt es übrigens auch eine kinderwagengerechte Variante.

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Die Brockenhexe ist im Harz allgegenwärtig. Auf dem Märchenweg geht es allerdings um die Geschichten der Gebrüder Grimm.

Mythen, Sagen und Märchen auf vier Kilometern

Spannend, lehrreich und interaktiv – so lässt sich der Naturmythenpfad in Braunlage am besten beschreiben. Der vier Kilometer lange Weg ist leicht zu begehen und lädt an zehn Stationen zu einem Halt ein: Jede widmet sich einem anderen Thema. Mal sind es die Naturgewalten, mal ist es der Gesang der Vögel. An allen geht es jedoch um die Beziehung von Mensch und Natur. Verraten Sie dem Wunschbaum einen geheimen Wunsch, finden Sie zusammen mit Ihren Kindern nicht nur einen Weg aus dem Labyrinth, sondern auch zu sich selbst und spüren Sie die Kraft und Energie eines Baumes. Da es auf dem Naturmythenpfad viel zu entdecken gibt und die Zeit wie im Fluge vergeht, wundern Sie sich nicht, wenn nach der abwechslungsreichen Runde drei bis vier Stunden vergangen sind. Alle Stationen sind kindgerecht gestaltet, sodass der Weg eine Erfahrung für die ganze Familie ist.

Der Baum, mein Freund: Auf dem Naturmythenpfad entdecken Kinder die Beziehung zwischen Mensch und Natur.

Im Stempelfieber: die Harzer Wandernadel

Wandern und Stempel sammeln: Auf dem gesamten Wegenetz im Harz, das rund 8.000 Kilometer umfasst, gibt es 222 Stempelstellen der Harzer Wandernadel. Viele der attraktiven Pfade, an deren Ziel es einen Stempel gibt, eignen sich für Familien mit Kindern. Die Kleinen haben erfahrungsgemäß ganz besonders viel Spaß daran, auf Stempeljagd zu gehen. Vor allem, wenn eine Belohnung winkt: Während Erwachsene sich die goldene, silberne oder bronzene Wandernadel oder sogar den Titel als Wanderkönig oder Harzer Wanderkaiser verdienen können, besteht für Kinder bis 11 Jahre die Möglichkeit, Wanderprinzessin oder Wanderprinz zu werden. Voraussetzung: Mindestens 11 Stempel müssen sie in ihrem Wanderpass vorweisen können. Ist dem so, erhalten sie ein T-Shirt bedruckt mit dem eigenen Adelstitel, einen Button und eine Urkunde. Also, auf die Plätze, fertig, los und Stempel sammeln!

Geschafft! Wer 11 Stempel hat, ist Wanderprinzessin oder Wanderprinz!

Hätten Sie es gewusst? Nur wer alle 222 Stempel vorweisen kann, wird Harzer Wanderkaiser. Derzeit gibt es fast 6.000 Wanderlustige, die diesen Titel für sich beanspruchen dürfen.

Märchenhaft und mystisch: der Harzer Hexenstieg

Meine erste Streckenwanderung: Der Harzer Hexenstieg ist 97 Kilometer lang und führt einmal quer durch den wunderschönen Harz. Er beginnt in Osterode, geht einmal über oder alternativ um den Brocken und endet in Thale. Auf allen Etappen gibt es Stempelstellen im Rahmen der Harzer Wandernadel – das Sammelheft dürfte sich also schnell füllen. Wenn Sie wanderbegeisterte Kinder haben, ist der mehrtägige Stieg mit Sicherheit ein unvergessliches Erlebnis. Erwachsene benötigen in der Regel vier bis fünf Tage für die gesamte Strecke, aber wozu die Eile? Kinder sind kleine Entdecker und bleiben viel häufiger stehen, weil sie Dinge sehen, für die den Großen oft der Blick fehlt. Zudem sollten die einzelnen Tagesetappen eher kurz gehalten werden, damit noch genügend Zeit für all die anderen spannenden Dinge wie Museen, Höhlen, Spielplätze und Schwimmbäder bleibt. Auf dem Harzer Hexenstieg gibt es zahlreiche Unterkünfte, sodass einer individuellen Planung nichts im Wege steht. Für ein paar erholsame Tage danach bietet sich eine Ferienwohnung oder ein Ferienhaus von privat im Zielort Thale oder in der Umgebung an.

Mit Kindern dauert ein Wanderweg meist doppelt so lange, denn links und rechts des Pfades gibt es tausend spannende Dinge und verträumte Ortschaften zu entdecken.

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