Istrien – die große Reise

Istrien, diese große Halbinsel zwischen Italien, Slowenien und Kroatien – zu dem es heute natürlich gehört – zeigt im Kleinen die wechselvolle Geschichte der Region. Im Norden des Landes gelegen, gehörte es mal zu Frankreich, unter Napoleon, zu Italien, und natürlich zum Habsburger Kaiserreich. Und: Schon seit den 1970er-Jahren, also noch lange unterm jugoslawischen Diktator Tito, wurde Istrien ein beliebtes Urlaubsreiseziel, auch für Westdeutsche.

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Blick auf die Altstadt von Rovinj

Eine Fahrt entlang der Küste, mit Ausflügen ins Hinterland

Das muss idyllisch gewesen sein! Vor hundert Jahren, ab 1902, dampfte ein Schmalspurzug von Triest nach Porec. Die Verbindung, mehr eine Dampfstraßenbahn als eine Schnellfahrstrecke, beförderte Touristinnen in langen weißen Röcken und spitzenbesetzten Sonnenschirmchen genauso wie Arbeiter. 1935 wurde der Zugverkehr jedoch eingestellt – aber die Trasse blieb erhalten. Und so haben auch heutige Urlauber noch etwas davon. Wer in Istrien ankommt, ganz im Norden, kann sich nach der langen Autofahrt etwas Gutes tun, und sich aufs Rad setzen. Auftakt mit einer Radtour bei Grožnjan auf der Parenzana, so heißt jetzt der gemütliche Dreiländer-Radweg, von Italien über Slowenien nach Istrien, immer entlang des Bahndamms.

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Bestimmt hat man danach Hunger – da fügt es sich gut, dass sich Istrien zu einer Destination für Gourmets entwickelt. Viele Restaurants sind in frühchristlichen Konventen oder k.u.k.-Prachtvillen untergebracht. Da wäre etwa der Slow Food-Gastronom Nenad Kukurin im Bergdörfchen Kastav über der Riviera von Opatija, er hat sich zwei Gebäude erobert, Klostermauern aus dem 9. Jahrhundert und eine Schule aus der k.u.k.-Zeit, da serviert er in seinem Restaurant gehobene Küche der Region. Sogar mit zwei Hauben ausgezeichnet ist das hoch über der Adria gelegene Restaurant Draga di Lovrana, der Chef des Hauses ist Mitglied der europäischen Spitzenköche-Vereinigung Jeunes Restaurateurs und kombiniert alpine Spezialitäten aus dem Naturpark Učka mit denen vom eigenen Fischerboot aus dem nahen Meer.

Rund um Grožnjan breiten sich Olivenhaine aus. Hier wächst Trüffel, wie Restaurantschilder an der Straße versprechen. Die Hälfte der Bewohner Grožnjans sind italienische Muttersprachler. Das aus Ateliers und Galerien bestehende Künstlerdorf verwandelt sich im Sommer durch die Programme der internationalen Musikjugend Jeunesses Musicales in eine Freiluftbühne. Grožnjan gilt als Treffpunkt für Musiker aus aller Welt. Im Jahr 1954 schlossen sich Maler, Musiker und Künstler zusammen und renovierten und besiedelten das vom Aussterben bedrohte Grožnjan. Ein Großteil der heutigen Bevölkerung des Dorfes sind Künstler.

Der idyllische Ort Grožnjan besteht zum großen Teil aus Künstlern

Byzantinisches Erbe

Die Küste zwischen Porec und Pula ist ein beliebtes Urlaubsgebiet, manche Campingplätze sind so groß, dass eigene Ortsschilder dorthin führen. Lanterna und Solaris waren bereits zu Titos Zeiten berühmt. Bis heute locken diese FKK-Strände der Riviera von Porec sogenannte Naturisten an.

Die Altstadt von Porec liegt auf einer Halbinsel. Auf der zweitausend Jahre alten, wuseligen Hauptstraße, dem Decumanus, stößt man auf den venezianischen Stadtpalast und auf die Basilika. Diese im sechsten Jahrhundert erbaute Kirche ist allein Grund genug, Porec zu besuchen. In der Apsis strahlen byzantinische Mosaiken auf Goldgrund; als spektakuläres frühchristliches Bilderbuch zeigen sie Christus, Maria und die Apostel.

Die Euphrasius-Basilika in Poreč

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Ein Fjord im Mittelmeer

Weiter geht es nach Süden, mit einem kleinen Umweg, den man aber gerne in Kauf nimmt: der Limski-Kanal, eine von der Natur geformte, fjordähnliche Sehenswürdigkeit. Zwölf Kilometer weit schneidet er ins Landesinnere, an seinem Ende stehen hölzerne Aussichtstürme. Von dort schaut man über das blaue Band des Wassers, das – umrahmt von dicht bewaldeten Hängen – zum Meer führt.

Nun lohnt sich ein Abstecher ins Hinterland: Durchs die hügelige Halbinsel Istrien führen sechs Weinstraßen sowie Olivenölstraßen durch jahrhundertealte Olivenölterrassen und Trüffelwäldchen. Bis Mitte der 80er Jahre waren mehr als hundert Dörfer im Inneren der damals jugoslawischen Halbinsel verlassen. Seit 1995 wurden mehr als 4000 alte Steinhäuser renoviert, ganze Dörfer im traditionellen Stil neu erbaut und Kulturschätze zugänglich gemacht.

Der fjordähnliche Limski-Kanal – ein schmaler Meeresarm zwischen Vrsar und Rovinj

Die Schönste

Rovinj ist eine Postkartenschönheit: eine ovale Halbinsel, die Häuser dicht an dicht, ihre Außenwände direkt am Meer, und in der Mitte ein weißer Campanile. Die Venezianer herrschten für ein halbes Jahrtausend in der Stadt. Hier flaniert man durch die Gassen, um dann bei Sonnenuntergang in einer Bar zu landen. Wer lokale Getränke schätzt, bestellt Malvasija, Weißwein aus der Region. Die Sonne stürzt glutrot ins Meer.

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Alea iacta est!

Brot und Spiele gibt es auch heute im Amphitheater von Pula: Bei einem sommerlichen Spektakel leben die Zeiten des römischen Reichs im östlichen Mittelmeerraum wieder auf. Bei den Gladiatorenkämpfen wird niemand den Löwen zum Fraß vorgeworfen, stattdessen brandet Beifall in den abendlichen Himmel, artig verneigen sich die Kämpfer in ihren gewickelten Unterhosen, recht neckische Beinkleider für Gladiatoren.

Das römische Amphitheater in Pula ist das sechstgrößte antike Amphitheater

Im östlichen Mittelmeerraum waren längst die Illyrer ansässig, als 168 v.Chr. die Römer die Küsten eroberten. Zahlreiche gut ausgebildete Illyrer traten in römische Dienste, Diokletian brachte es sogar bis zum römischen Kaiser. Das gesamte heute kroatische Territorium wurde Teil des Römischen Reiches. Die Römer gründeten Städte wie Iader/Zadar, Salona/Solin/Split, bauten Straßen und Landsitze, schufen eine Infrastruktur mit Kanalisation und Wasserleitungen und errichteten Thermen und Tempel. Das istrische Pula hat sich bis heute viele Merkmale einer Römerstadt bewahrt.

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Brot und Spiele – und Wein

Pulas Highlight, das römische Amphitheater, wurde um die Zeitenwende erbaut, und von Vespasian um 75 n. Chr. erweitert – groß genug, um heute Stars wie Joe Cocker als Bühne zu dienen. Mit 30 Metern Höhe, 130 Metern Länge und 105 Metern Breite bildet es eine vollständig erhaltene Ellipse und war eines der größten Theater im Römischen Reich. 20000 Zuschauer konnten den Kampf der Gladiatoren verfolgen. Wie Kulissen ragen die Arkadenreihen inmitten von Wohnhäusern empor. In den dämmrigen Gängen unter der Arena lagern hunderte von Amphoren, übereinandergestapelt, an Wände gehängt; Istrien war im Römischen Reich Kornkammer und Öllieferant – zurecht, wie ein Besuch des Markts auf dem Narodni trg zeigt. Die Tische biegen sich vor Früchten und Gemüse. Und auch den Weinbau treiben die Römer voran, natürlich findet man auch heute überall Weinstöcke. Und das römische Sprichwort Vinum bonum deorum donum gilt bis heute: Ein guter Wein ist ein Geschenk der Götter. 

In den unterirdischen Räumen der circa 2000 Jahre alten Arena werden Amphoren, Konstruktionen und vieles mehr rund um das Thema Wein- und Olivenölproduktion in der Antike ausgestellt

Beim Rundgang durch Pula sind immer wieder römische Relikte zu entdecken. So sind am heutigen Kapitolsplatz Teile des Forums erhalten, und zwischen Kirchen ragt der antike Sergierbogen in die Höhe. Durch dieses Tor verlief einst die Römerstraße Via Flavia von Aquileja und Triest zum Forumsplatz. Neben dem Bogen wohnte 1904 ein berühmter Ire, der in Pula als Englischlehrer arbeitete: Der Schrifsteller James Joyce. Bis heute sitzt er in der Nähe in einem Straßencafé, in Gestalt einer Bronzefigur.

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Titos Kakadu

Auf den vorgelagerten Brioni-Inseln finden sich ebenfalls Zeugnisse römischer Zeiten. So auf Veliki Brijun, Brioni maggiore, die Ruinen in der Val Catena-Bucht. Reste großer Villen sind zu sehen, ein Terrassen-Wohngebäude, kleine Tempel, eine Bibliothek, Zisternen, eine Badeanlage. Und dann klingt ein sinisteres „krchz, krchz, krk“ aus einem Gebüsch. Dahinter ein Käfig, in diesem turnt Koki herum. Der weiße Kakadu hangelt sich mithilfe seines Schnabels an den Gitterstäben entlang. Kokis Töne führen in die Vergangenheit: Tito, der langjährige Präsident Jugoslawiens, hatte den Vogel seiner Enkelin geschenkt und ihm Sprechen beigebracht. Oder eben Husten und Räuspern. Und so klingt hier aus dem Busch die Stimme des einstigen Hausherrn der Brioni/Brijuni-Inseln. 1983 wurde das Archipel Nationalpark, seither dürfen Besucher diese Mischung aus Botanischer Garten und Zoo besichtigen.

Berühmte Gäste

Der wahre Held Brionis war der Mediziner Robert Koch. Er legte 1901 die Sümpfe trocken und befreite so die Insel von der Malaria. Ein anderer Deutscher war hingegen wenig angetan. Thomas Mann, genauer gesagt, seine literarische Figur Gustav von Aschenbach, kam auf dem Weg nach Venedig auf die „seit einigen Jahren gerühmte Insel mit (…) schön zerrissenen Klippenpartien“. Er mäkelt an der „kleinweltlichen, geschlossenen österreichischen Hotelgesellschaft“ herum.

Strände wie Sand am Meer

Rund um die Halbinsel Istrien liegen viele Strände. Sandstrände sind allerdings selten, meistens findet man felsige Buchten und Kiesstrände. So finden sich traumhafte Kiesstrände rund um den idyllischen Fischerort Rabac an der Ostküste Istriens. Die einzelnen Felsbuchten laden zum ruhigen Sonnenbaden ein. Viele der mit weißen Kieselsteinen bedeckten Strände in Rabac tragen die „Blaue Flagge“ – die Sauberkeit der Strände ist legendär!

Typischer Strand auf Istrien

Neben raren Orchideen und über 550 verschiedenen Pflanzenarten bietet das Kap Kamenjak an der südlichen Spitze Istriens vor allem Badebuchten mit so vielen Sinterterrassen, dass hier niemand mit Handtuch reservieren muss. Auf staubigen Straßen fährt man unter Aleppokiefern; ins offene Autofenster schwappen Wellen von Zikadengesang. So fühlt sich Urlaubsglück an. Am besten bleibt man einen ganzen Tag im Landschaftsschutzgebiet, und hängt mal am Meer, mal in der Safaribar ab, einer Hippiebar im Schilf. Ausgeschildert, bis Sonnenuntergang geöffnet.

Zurück in die Stadt

Opatija atmet mit alten Villen, Grandhotels, Zedern, Pinien und Kamelien noch ganz den Zauber der k.u.k.-Zeit. Ein halbes Jahrhundert Sozialismus konnte der K.u.k.-Idylle wenig anhaben. Im Park der Villa Angiolina prangen an einer Mauer mit Graffiti Porträts berühmter Gäste, schauen Gustav Mahler, James Joyce und Robert de Niro auf die alten Bäume. Am Park vorbei führt von Volosko bis Lovran eine zwölf Kilometer lange Promenade, ein Spazierweg mit glänzendem Messinghandlauf: der „Lungomare“.

Opatija – definitiv ein Besuch Wert!

Extra Tipp – ein Tagesausflug: Ein Weg von Istrien führt auf einer aufregend kurvigen Straße, immer am Meer entlang, nach Senj, den so mancher aus Kinderzeiten kennt: Das Buch „Die rote Zora und ihre Bande“ spielt hier. Der Ort ist noch immer kaum renoviert. In der hoch gelegenen Nehaj-Burg versteckte sich Zoras Bande. Der reale historische Hintergrund der Burg erzählt von den ewigen Kriegen der Region. Immer wieder kämpften Türken, Ungarn, Habsburger und Venezianer um den Ort.


Waren Sie bereits in Istrien? Gibt es hier noch weitere Schätze, von den Sie uns gerne erzählen würden? Wir freuen uns auf Ihre Empfehlungen!

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Kommentare

  1. Tina Bertotti-Steiner

    VIELEN DANK…..kenne das bechriebene Istrien und freue mich sehr über diesen – mir seelenverwandten – Beitrag…Grazie!

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