Törggelen in Südtirol: Die fünfte Jahreszeit hat einen besonderen Zauber

Wenn der Herbst naht, dreht sich in weiten Teilen von Südtirol alles ums Törggelen. Die Ungeduld, mit der jeder auf die Erntezeit wartet, ist spürbar. Entspannte Abende bei Wein und netter Gesellschaft versprechen unvergessliche Urlaubstage.

Törggelen ist mehr als Wein und Wandern

Herbstzeit –  Endlich ist wieder Törggelen-Zeit in Südtirol.

Die Blätter färben sich bunt, der Herbst hält langsam Einzug in der nördlichsten Provinz Italiens, Südtirol. Die Wanderschuhe sind fix geschnürt, der Rucksack mit kulinarischen Spezialitäten der Region bestückt. Jeder in Südtirol weiß, bald ist es soweit. Törggelen ist weit über die Grenzen von Südtirol hinaus den Besuchern bekannt: Der uralte Brauch lässt sich ideal mit einem Wanderurlaub in den Dolomiten oder dem Etschtal verbinden. Wer sich an den bunt gefärbten Blättern der Wälder und Weinberge nicht satt sehen kann und die ungestörte Begegnung mit Natur und Mensch sucht, für den ist ein Urlaub in diesen Wochen eine echte Bereicherung. In dieser Zeit öffnet sich der mystische Zauber Südtirols – man sollte diese magischen Monate des Törggelen nicht verpassen.

Die kalkhaltigen Böden und die vielen Sonnenstunden an der Südtiroler Weinstraße und den Dolomiten bilden eine hervorragende Grundlage für erlesene Weine. Tagsüber durch die markante Berglandschaft der Dolomiten wandern, abends in eine der gemütlichen Weinstuben einkehren und das Geheimnis vom Törggelen erfahren: Die Gastfreundschaft der Südtiroler tut ein Übriges, damit man sich schon nach wenigen Augenblicken heimisch fühlt. Dann gilt es, den köstlichen Weinen des Südtiroler Landes seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken.

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Törggelen – Ein Begriff, viele Erklärungsversuche

Weinrebe kurz vor der Ernte

Mit jedem Glas Wein kommen neue Vermutungen auf, warum denn das Törggelen eigentlich Törggelen heißt. Tatsächlich leitet sich das Wort Törggelen vom lateinischen Begriff „torquere“ ab, was so viel wie „pressen“ bedeutet. Die hölzerne Weinpresse, die Torggl, ist schließlich der Namensgeber für das Brauchtum Törggelen.

Wie kam es zum Törggelen?

Darüber rätseln manche Menschen, wenn sie von diesem Brauchtum zum ersten Mal hören. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich in der herbstlichen Jahreszeit die Weinbauern mit neuen Jahrgängen an die Wirte wandten. Während dieser Qualitätskontrolle in den letzten Jahrzehnten blieb der Hunger nicht lange aus. Gerstensuppe, Kastanien oder eine Schlachtplatte samt Sauerkraut waren schon in früheren Zeiten typische Speisen, die von den Gastwirten bei dieser Gelegenheit aufgetischt wurden. In den Burschenschänken wurde neben dem Nuien – dem neuen Wein – auch Most probiert. Bekanntlich schmeckt es gemeinsam besser. So wurde aus einem ursprünglichen Austausch zwischen Weinbauer und Wirt eine gesellschaftliche Tradition, die bis heute mit liebevoller Hingabe in vielen Orten Südtirols zelebriert wird – das Törggelen. Für Gäste aus der ganzen Welt ist das eine willkommene Einladung, Südtirol zu besuchen.

Das sollte man unbedingt beachten: An dieser Stelle sei verraten, dass man sich ausreichend Zeit nehmen sollte. Die Abende sind kuschelig und könnten mitunter etwas länger dauern. Aber hey, schließlich ist Törggelen-Zeit. Diese beginnt mit der Erntezeit und wird traditionell bis zum Beginn der Adventszeit zelebriert. Gute Unterhaltungen und die Lust auf neue Weine verbinden die Menschen, die sich in den Kellerstuben von z. B. Tramin zusammenfinden. Neue Freundschaften werden in dieser Zeit leicht geschlossen, was nicht nur am Weingenuss liegen mag.

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Die schönsten Regionen, um das Törggelen hautnah zu erleben

Der weit verbreitete Brauch findet sich vor allem im Eisacktal oder an der Weinstraße wieder. Im Burggrafenamt dominieren im warmen Sonnenlicht glänzende Weinberge. In Lana, Dorf Tirol oder Prissian und anderen Orten im Meraner Land ist man immer willkommen bei den Wein- und Obstbauern. Das Törggelen ist aber in ganz Südtirol verbreitet und ist mittlerweile ein beliebter Brauch, auf den niemand verzichten würde.

Tipp: Ein ganz besonderes Erlebnis ist eine traditionelle Törggele-Wanderung. Gemeinsam wird über die malerischen Wanderstrecken entlang der Weinberge gewandert. Bei einer anschließenden Einkehr auf einem Bauernhof im Meraner Land oder einem Weinkeller im Vinschgau ist für das leibliche Wohl gesorgt.

Wanderung durch die Kalterer Weinberge

Unvergleichlich – der Blick auf den Kalterer See bei einer Wanderung durch die Weinberge.

Die Törggele-Wanderungen durch die Kalterer Weinberge sind eine ideale Gelegenheit, mehr über den Weinbau in Südtirol zu erfahren. Hier kommen Weinkenner zu Wort, die über ihre Arbeit und die Geschichte der Weindörfer erzählen. Und da wandern bekanntlich auch hungrig macht, stärkt man sich gemeinsam bei Kalterer-Wein und Polenta mit Käse, bevor die Wanderung ihr Endziel, den Kalterer See erreicht.

Kastanien-Erlebnisweg in Völlan

Gebratene Esskastanien sind an kühlen Herbsttagen eine Wohltat.

Eine romantische Wanderung mit dem Partner oder mit Hund und Familie verspricht der Kastanien-Erlebnisweg in Völlan. Die Wege des ca. 2 km langen, leicht begehbaren Rundwegs sind gesäumt von den dunkelbraunen Früchten des Kastanienbaums, die als gebratene Kastanien abends in einer heißen Pfanne verführerisch duften.

Südtiroler Weinstraße

Die Weinstraße ist ein Muss für Weinliebhaber.

Die Südtiroler Weinstraße ist eine der ältesten Weinstraßen Italiens und eine begnadete Region, wenn es um Kulinarik und Genuss geht. Die mehr als 4.000 Hektar große Region mit ihrem milden Klima ist für das Reifen der edlen Traubensorten mehr als bekömmlich. Entlang der Straße laden die Orte Nals, Terlan, Andrian, Eppan, Kaltern, Tramin, Kurtatsch, Margreid, Kurtinig, Salurn, Auer, Montan, Neumarkt, Pfatten, Branzoll sowie die Landeshaupt- und Weinstadt Bozen zum Weingenuss und Weinerlebnis ein.

Wo auch immer man sich diesem Brauch mit Herz und Seele verschreibt, letztendlich wird man dem nächsten Herbst mit derselben Ungeduld entgegensehen.

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Gaumengenüsse vom Feinsten

Die Grande Dame der Gaumengenüsse ist zweifelsohne der Wein. Heimische Rebsorten wie der Gewürztraminer oder der Vernatsch gedeihen prächtig und zählen zu den sogenannten autochthonen Rebsorten, wie die einheimischen Rebsorten bezeichnet werden.

Erfahrene Weinhändler und Bauern haben große Freude, ihren Gästen die verführerischen Weine zu kredenzen, die auf den idyllischen Weinhängen im Sonnenschein ihren Zauber entfalten durften. Viele Weingüter liegen in einer Höhe von 200 bis zu 1.000 Metern Meereshöhe und sind alleine schon wegen des beeindruckenden Bergpanoramas einen Besuch wert.

Man muss aber nicht zwangsläufig bereits ein Weinkenner sein, denn die leckeren traditionellen Speisen wie Speckknödel, Kaminwurzen und Sauerkraut machen Lust auf mehr. Apfelmost, gebratene Kastanien und süße Krapfen lassen jegliche Diätpläne vergessen. Es ist schließlich Törggelen-Zeit. Höchste Zeit, um sich und alle Sinne auf höchstem Niveau verwöhnen zu lassen.

Und wer sich fragt, was ein Sußer ist, der ist herzlich eingeladen, sich an den Tisch eines zünftigen Weinkellers zu setzen und das im Gespräch mit anderen Gästen herauszufinden. Aber keine Sorge. Schon nach wenigen Tagen sind viele fremdartig klingende Begriffe vertraut und man fühlt sich wie ein Einheimischer beim Gustieren verschiedenster Weine.

Auf in ein Abenteuer und nur keine Scheu vor der Südtiroler Sprache, die sich aus regionalen Dialekten, Italienisch und Deutsch zusammensetzt.

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Wo kehren Sie am liebsten zum Törggelen in Südtirol ein?

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Kommentare

  1. Günter Seifert

    Prissian ist bestimmt der richtige Ort zum Törggelen.
    Den Ort und seine Umgebung zu erleben und genießen wird ein unvergessliches Erlebnis

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