Souverän im Wind: Nordfriesische Inseln mit dem Rad erkunden

Mit Inseln ist es ein bisschen so wie mit den Menschen. Sie transportieren eine große Bandbreite von Stimmungen und kommen in den unterschiedlichsten Formen. So gibt es große Inseln und kleine Inseln, schmale Inseln und flächige Exemplare, zackige und ausgefranste Eilande, mondäne und bescheidene. Inselbesucher begeben sich auf Entdeckungstouren mit Nachhall, welche die räumliche Begrenzung dieser Landflecken, die ringsum von Wasser umgeben sind, Richtung Horizont aufheben. Machen auch Sie sich auf den Weg – mit unseren Tipps für schöne Radwanderungen und Spaziergänge auf Amrum, Sylt und Pellworm.

Zwischen Watt, Wald und Kniepsand – Radwandern auf Amrum

Die beste Aussicht der Insel hat man vom Amrumer Leuchtturm.

„Rund um Amrum“ heißt der 28,5 Kilometer lange Parcours für Wanderer auf der idealen Familieninsel Amrum mit ihren endlosen Sandstränden. Sie können die Ecken weiter auslaufen als Radwanderer, für die die Strecke des Rundweges nur 18 Kilometer misst. Verantwortlich dafür ist auch Amrums besondere, leicht sichelförmige Gestalt, die sich im Nordosten im Naturschutzgebiet Odde zuspitzt. Von hier aus scheint Hörnum auf Sylt schon zum Greifen nah. Das menschliche Treiben auf Amrum konzentriert sich in den Ortschaften entlang der landzugewandten östlichen Seite, während ein großer Teil der Inselfläche von duftenden Kiefern- und Birkenwäldern und dem legendären Kniepsand beherrscht wird.

Ein schöner, durchgehender Radweg führt vom Leuchtturm aus genau durch diesen Wald, der Mitte des 19. Jahrhunderts auf Heideflächen angelegt wurde, bis nach Norddorf. Wer in Schwung gekommen ist, bleibt im Sattel und fährt einfach entlang der Wattkante weiter. Denn einmal um die Insel zu fahren ist eine hübsche Tour, die sich für geübte Radfahrer ganz entspannt bewältigen lässt. Mit dem Pedelec geht es etwas flotter und – wer schon einmal mit Motorenunterstützung gefahren ist, wird sich sicher erinnern – auch deutlich bequemer.

Wie viel Zeit für diese Radtour rund um Amrum einzuplanen ist, hängt sehr von der Stimmung des radelnden Urlaubers ab. Mag der eine die Urlaubszeit auch für sein Sportprogramm nutzen und im Trainingsmodus sein, ist der andere vielleicht in gemütlich entschleunigter Stimmung. Dann bieten sich hübsche Faulenzerpausen an, zum Beispiel im fantastischen Restaurant und Café Seeblick in Norddorf, an einem der weiten Strände oder in einem der auf dem Weg liegenden Cafés. Im „Dörnsk an Köögem“ in Nebel wird die Fahrradtour rund um Amrum für einen Moment zur Reise in ein kleines Wunderland. In dem detailverliebten Wohnstuben-Café gibt es neben herzhaften und süßen Speisen Niedliches zum Bestaunen und Mitnehmen als schönes Andenken für Zuhause. Auch im Rest der malerischen Gemeinde Nebel schauen die Reetdächer aus, als hätte jemand Goldfäden in sie eingewebt.

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Durch Dünengras und Heideduft – Radwandern auf Sylt

Klein aber fein – Kampen ist ein Dorf voller Kontraste.

Auffallend schmucke Reetdächer, das lässt auch an Kampen auf der als mondän geltenden Insel Sylt denken. Die prominente Gemeinde der nördlichsten nordfriesischen Insel liegt zwischen Wenningstedt und List. Eine Radtour über die Insel, die zum Beispiel in Westerland beginnt und sich gen Norden richtet, führt alle Radwanderer durch Kampen. Wer gerne ein bestimmtes Ziel anradelt und beim „in die Pedale treten“ Appetit entwickelt, wird sich auf einen Besuch in der „Vogelkoje“ freuen, einem Gourmetrestaurant, das mit stilvollem Ambiente wirbt. Oder besucht die „Buhne 16“, dem locker-entspannten Strandbistro an der Insel-Westseite auf Höhe Kampen. Alle, denen die knapp 7 Kilometer von Westerland nach Kampen nicht ausreichen, radeln einfach weiter bis in den äußersten Norden. Die Strecke nach List führt Radfahrer durch duftende grasbewachsene Dünen und Heidekrautfelder und bietet an vielen Stellen bezaubernden Sichtkontakt mit der Nordsee links und rechts der schmalen Insel. So offensichtlich von Wasser umspült, fühlt man sich wirklich wie mitten im Meer.

Sylt lässt sich sehr gut mit dem Rad erkunden.

Auch in List, der nördlichsten Gemeinde Deutschlands, laden viele Restaurants zum Genießen und Verweilen ein. Entdeckungshungrige, die Trinkwasser und Klappstulle dabei haben, wechseln vielleicht an dieser Stelle gleich das Medium und springen vom Fahrrad auf die Füße. Vom Lister Hafen aus bietet sich nämlich ein Spaziergang am Ellenbogen an. Die Nehrung, die dem nördlichsten Ende der Insel die Form eines Hakens verleiht, gilt als außergewöhnlich schöner Teil von Sylt. Um den Rundwanderweg von insgesamt 20 Kilometer Länge in Ruhe zu gehen, empfiehlt sich ein früher Aufbruch. Und eine gute Kondition, denn der Fußweg, der Ausblicke auf den Königshafen und den Ellenbogen bietet und einen mit einer einzigartigen Mischung aus Sonne, Wind und Salz umhüllt, führt mitten durch die Dünenlandschaft.

Apropos Kondition: Für sportliche Radwanderer, die Sylt einmal komplett mit dem Fahrrad umrunden wollen, führt eine gut 92 Kilometer lange Strecke zum Beispiel vom Startpunkt Morsum aus entlang der Wasserkante nach Westen zum Rantumbecken, von da aus weiter Richtung Süden nach Hörnum. Dann geht es weiter vom äußersten Süden der Insel entlang der ehemaligen Bahntrasse bis nach List, von wo aus es über Keitum wieder bis nach Morsum zurück geht.

Die Straßenbeläge reichen von asphaltierten Straßen über Schotter bis hin zu gänzlich unbefestigten Wegen, gut aufgepumpte, nicht zu dünne Reifen sind sicher von Vorteil für ein rundum entspanntes Fahrgefühl. Höhenmeter sind auf der Radtour rund um Sylt kaum zu überwinden, der Wind kann allerdings streckenweise zur ernstzunehmenden Größe werden. Radwanderer, die mit einem Pedelec unterwegs sind, lassen sich relativ unbeeindruckt vom Gegenwind durchpusten und haben mehr Luft, die einzigartige Atmosphäre von Sylt zu genießen.

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Souverän gegen den Wind – mit dem Pedelec auf Pellworm

Der Pellwormer Leuchtturm – eines der Wahrzeichen der Insel.

Pellworm gilt als eine der sonnenreichsten und auch als eine der windreichsten Nordseeinseln. Der Wind wird dieser Zuschreibung gerecht, indem er so manchen Ausflug, sei es mit dem Rad oder per Pedes, in ein herausforderndes Duell mit den Naturgewalten verwandelt. Davon sollte sich aber kein Inselbesucher einschüchtern lassen. Eine Umrundung der drittgrößten nordfriesischen Insel, die sich auf sieben mal sechs Kilometer im Wattenmeer ausdehnt, ist gerade wegen des intensiven Kontakts mit der rauen Natur eine schöne Unternehmung. Und wer nicht so trainiert ist, macht sich das Vergnügen einfacher und mietet nach vorheriger Anfrage bei einem der beiden Fahrradverleiher von Pellworm ein Pedelec.

Ein Pedelec, umgangssprachlich auch E-Bike genannt, hat den Vorteil, die Bemühungen des Radelnden bei Bedarf zu unterstützen. Mit so einem Hilfsmittel ist selbst die Außendeichrunde mit einer Länge von 28,5 Kilometer lässig zu schaffen. Der Name Außendeich ist Programm. Die Insel Pellworm liegt recht exponiert und nur circa einen Meter über Normalnull vor Südfall, Nordstrandischmoor und der Halbinsel Nordstrand und ist zum Schutz vor dem „Blanken Hans“ komplett eingedeicht. Der acht Meter hohe und 25 Kilometer lange Betonkranz, der Pellworm umgibt, ist vielleicht nicht so schmückend wie ein Sandstrandsaum, sorgt jedoch für verlässlichen Sturmflut-Schutz und garantiert der Insel den formstabilen Fortbestand.

Wer es bei seiner Insel-Radtour auf Pellworm nicht zwingend auf die äußeren Ränder anlegt, ist mit der großen Runde gut bedient. In knapp 2 Stunden begegnen dem Radwanderer auf rund 21 Kilometer zudem deutlich mehr Stationen, wie zum Beispiel die Alte Kirche im Westen. Immer wieder wird dem entschleunigten Urlauber auf schier endlosen, schnurgeraden Straßen die Weite bewusst. So wie die Horizontlinie den Übergang zwischen Wattenmeer und Himmel bisweilen flirrend verschwimmen lässt, scheinen auf Pellworm auch andere Dimensionen und Ausmaße ihren eigenen Gesetzen zu folgen. So berichtet ein langjähriger, treuer Besucher Pellworms, hier gäbe es Scheinriesen. Auf einer Radtour inmitten der unendlich scheinenden Weite des sanft gekrümmten Eilandes sei er dem Augsburger Puppenkisten-Phänomen der Scheinriesen begegnet. Und habe einen Menschen, der ihm von Weitem als riesenhaft groß erschien, mit der räumlichen Annäherung von gefühlten 8 Meter Länge sukzessive auf durchschnittliche 1,80 Meter Körperlänge zurück schrumpfen sehen.

Ganz geerdet hingegen ist die Grundstimmung der Inselbewohner, die ihre Urlauber natürlich freundlichst begrüßen und lecker willkommen heißen, ansonsten jedoch ihrem häufig landwirtschaftlichen Tagesgeschäft nachgehen. So hat das grüne Pellworm viel zu bieten für Urlauber, die Insel und Leute ohne übertriebene Ausrichtung auf touristische Highlights einfach entspannt kennenlernen möchten und sich inmitten des UNESCO Weltkulturerbe Wattenmeer, im Einklang mit der Natur, bewegen möchten.

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Welche Insel der nordfriesischen Inseln zählt zu Ihren Lieblingsinseln und warum?

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