Die Seebrücken an der deutschen Ostseeküste

Nirgendwo können Sie sich die frische Ostseeluft schöner um die Nase wehen lassen als bei einem Spaziergang auf einer Seebrücke. Den Blick auf das offene Meer gerichtet, im Rücken ein hübscher Küstenort und aus der Ferne das Kreischen der Möwen – ja, so fühlt sich Urlaub an. Wenn Sie es lieben, sozusagen über das Wasser zu flanieren, haben Sie an der fast 2.250 Kilometer langen Ostseeküste in Deutschland zahlreiche Gelegenheiten dazu. Sie werden feststellen: Seebrücke ist nicht gleich Seebrücke. Jede erzählt eine andere Geschichte und weist ihre ganz eigenen Besonderheiten auf. Kommen Sie mit auf einen Streifzug von Ost nach West!

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Seebrücke Ahlbeck

Der Dinosaurier unter den deutschen Seebrücken befindet sich nur drei Kilometer von der polnischen Grenze entfernt im Seeheilbad Ahlbeck auf der Insel Usedom. Ihr Bau begann im Jahre 1882. Erst gab es nur eine hölzerne Plattform, 17 Jahre später entstand darauf ein Restaurant und es wurde zusätzlich ein 170 Meter langer Seesteg errichtet, der als Schiffsanleger dienen sollte. Heute misst die Seebrücke 280 Meter und zählt zu den meist besuchten Sehenswürdigkeiten auf der Insel. Das – inzwischen historische – Brückenrestaurant hat die letzten über 100 Jahre überlebt und verwöhnt seine Gäste wie eh und je mit regionalen Köstlichkeiten. Doch die Ahlbecker Seebrücke ist nicht nur sehenswert, weil sie die älteste ist und unter Denkmalschutz steht, sondern weil sie auch optisch eine Augenweide ist. Ihr nostalgisches Flair bildete bereits die Kulisse von einigen Filmproduktionen. Unter anderem entstanden Szenen für Loriots „Pappa ante portas“.

Die älteste Seebrücke Deutschlands befindet sich in Ahlbeck.

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Seebrücke Heringsdorf

Nur 2,5 Kilometer westlich von der ältesten Seebrücke gelegen, finden Sie in Heringsdorf die längste ihrer Art in Deutschland. Ganze 508 Meter führt sie hinaus auf die Ostsee und bietet auf dem Weg allerlei Unterhaltung. Denn auf dem prunkvollen Seesteg gibt es sowohl zu Beginn als auch in der Mitte zahlreiche Shops und Cafés und sogar ein Kino sowie ein Muschelmuseum. Am Brückenkopf angekommen, können Sie sich im Seebrückenrestaurant stärken. Von der Mittelplattform bis zum Ende ist die Seebrücke übrigens überdacht und mit transparenten Seitenwänden versehen. Sie dienen als Schutz vor den Winden, die so weit draußen auf offener See natürlich schon mal etwas kräftiger sein können. Fertig gestellt wurde die aktuelle Heringsdorfer Seebrücke im Jahre 1995. Zuvor gab es aber eine nicht minder imposante Konstruktion: die 500 Meter lange „Kaiser-Wilhelm-Brücke“ aus Stahl und Glas, die von 1891 bis 1893 errichtet wurde – und im Jahre 1958 leider abbrannte. Sie verlief etwa 50 Meter neben der heutigen Seebrücke.

Höher, schneller, weiter: Die Heringsdorfer Seebrücke ist über 500 Meter lang und ein beliebtes Ausflugsziel.

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Seebrücke Bansin

Wenn Sie von Heringsdorf aus weitere drei Kilometer nach Westen gehen, präsentiert sich Ihnen schon das nächste Exemplar: die Seebrücke in Bansin. Sie gehört zu den ganz klassischen Konstruktionen – ohne Schnörkel, Restaurant oder Shoppingmeile. Deshalb ist sie aber keinesfalls weniger schön! Es geht 285 Meter hinaus auf die Ostsee. Am Ende angekommen, können Sie sich auf den Blick zurück freuen, denn der fällt auf das hübsche Seeheilbad Bansin. Es ist neben Ahlbeck und Heringsdorf eines der drei Kaiserbäder und weist eine markante Bäderarchitektur auf. Die Bansiner Seebrücke lädt seit 1990 zum Flanieren ein. In der Gründerzeit gab es hier auch früher schon mal einen Seesteg. Der hat die Witterung allerdings nicht gut verkraftet und musste nach dem Zweiten Weltkrieg abgetragen werden. Jedes Jahr im Sommer findet in Bansin ein dreitägiges Seebrückenfest statt.

Am Ende der 285 Meter langen Seebrücke angekommen, haben Sie einen fantastischen Blick auf das Kaiserbad Bansin.

Hätten Sie es gewusst? Molen, Piere und Seebrücken bezeichnen nicht dasselbe. Eine Seebrücke – oder auch Landungsbrücke – steht auf Stelzen oder Pfeilern aus Holz, Stahl oder Beton und führt vom Ufer ins Meer. Molen und Piere sind dagegen aufgeschüttete Bauwerke.

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Seebrücke Zinnowitz

Mit der Zinnowitzer Seebrücke gibt es noch eine vierte Vertreterin auf Usedom. Sie befindet sich am nördlichen Ende der Insel, wurde 1993 eröffnet und heißt „Vineta“. Benannt wurde sie nach der sagenumwobenen versunkenen Stadt an der Ostsee. Zwischen ihr und der Seebrücke Bansin liegen etwa 20 Kilometer. Wenn sie den 315 Meter langen Holzsteg der „Vineta“ betreten, fällt Ihnen auf der linken Seite sofort eine interessante Konstruktion auf: Es ist eine Tauchgondel. Seit 2006 befördert sie bis zu 24 Gäste gleichzeitig auf den Meeresgrund. Natürlich bleiben Sie dabei vollkommen trocken. Und wenn Sie Glück haben und die Sicht gut ist, können Sie Quallen und Fische aus nächster Nähe beobachten. Auch Zinnowitz hatte früher schon mal eine Seebrücke. Die hielt der Witterung allerdings ebenfalls nicht stand und musste abgerissen werden.

Auf der „Vineta“, der Seebrücke in Zinnowitz, ging 2006 die erste Tauchgondel an der Ostseeküste in Betrieb.

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Seebrücke Göhren

Von Usedom aus geht es nun auf die größte Insel Deutschlands: nach Rügen. Hier machen wir im Ostseebad Göhren den ersten Stopp. Die Gemeinde ist klein, die Seebrücke dafür umso größer. Das Wahrzeichen der kleinen Stadt ist 350 Meter lang – davon befinden sich 270 Meter über Wasser – und beschert Ihnen einen tollen Blick auf das Meer. Es ist bereits das dritte Bauwerk auf Pfeilern, auf das Göhren zurückblickt. 1898 wurde die erste Seebrücke errichtet, die bis zum Ersten Weltkrieg existierte. Eine weitere überlebte bis in die 1950er-Jahre. Das heutige Exemplar stammt aus dem Jahr 1993. Wenn Sie schon einmal hier in der Ecke sind, sollten Sie am Strand entlang in Richtung Osten einen kleinen Spaziergang machen bis zum „Buskam“. Dahinter verbirgt sich Norddeutschlands größter Findling, der je nach Wasserstand bis zu 1,5 Meter aus der Ostsee ragt und über den etliche Legenden kursieren.

Nachdem Sie das Brückenhaus passiert haben, eröffnet sich Ihnen die Seebrücke Göhren in ihrer vollen Pracht.

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Seebrücke Sellin

Von Göhren geht es 5,5 Kilometer gen Nordwesten, um das Ostseebad Sellin zu erreichen. Die hiesige Seebrücke gilt als eine der schönsten und ist mit 394 Metern die längste auf Rügen. Sie wurde erst 1998 eingeweiht, erinnert in ihrer Architektur aber an ihre Vorgängerinnen aus den Jahren 1906 und 1925. Die einstigen Seebrücken hatten es nicht leicht in Sellin und konnten Eisgang, Brand und dem Zahn der Zeit nicht trotzen. Im Jahre 1979 wurden die letzten Überbleibsel endgültig abgerissen. Umso prachtvoller zeigt sich die heutige Konstruktion. Neben Restaurant, Kaiserpavillon und Palmengarten präsentiert sich das Brückenhaus ganz in Weiß – ein Ambiente, das auch zahlreiche Brautpaare anzieht, die sich hier standesamtlich trauen lassen können. Am Ende der Seebrücke befindet sich außerdem eine Tauchgondel, die nach dem großen Erfolg des Prototypen in Zinnowitz im Jahr 2008 in Sellin in Betrieb genommen wurde.

Die Seebrücke in Sellin ist ein architektonisches Kleinod, das viel nostalgisches Flair versprüht.

Hätten Sie es gewusst? Die Selliner Seebrücke ist die teuerste an der mecklenburgischen Ostseeküste. Die Baukosten betrugen rund 20 Millionen Mark. Der Konstruktion sieht man es an: Mit ihren vielen Kuppeln und Türmen sieht sie fast aus wie ein Schloss.

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Seebrücke Binz

Unsere nächste Station an der Ostseeküste liegt nur 7 Kilometer westlich von Sellin und heißt Binz. Das größte Seebad auf Rügen besitzt seit 1994 eine 370 Meter lange und drei Meter breite Seebrücke ohne großen Schnickschnack, aber mit umso größerer Anziehungskraft. Vor allem im Juni, wenn das alljährliche Seebrückenfest stattfindet. Es dauert zwei Tage und schließt mit einem spektakulären Höhenfeuerwerk ab. Doch auch zu jeder anderen Zeit ist Binz mit seinem weißen, breiten Strand ein lohnenswertes Ziel für einen Urlaub in einem der zahlreichen Ferienhäuser. Vor der Seebrücke, wie wir Sie heute antreffen, war der Ort über 50 Jahre seebrückenlos. Wie viele Bauwerke anderer Ostseebäder auch, überlebte die erste Brücke von 1902 aufgrund von Sturmflut, Witterung und mangelnder Instandhaltung nicht und verfiel im Jahre 1942.

Wandeln Sie auf den 370 Metern der Seebrücke Binz und vergessen Sie für einen Moment den Alltag – der Blick über die weite Ostsee macht es Ihnen leicht.

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Seebrücke Zingst

Jetzt verlassen wir Rügen und ziehen weiter auf die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Hier gibt es drei weitere Seebrücken, die auf Ihren Besuch warten. Die erste, die auf unserem Weg von Osten nach Westen liegt, befindet sich im Ostseeheilbad Zingst. Da, wo seit 1993 die 270 Meter lange und 2,5 Meter breite Seebrücke auf das Meer hinausführt, befand sich bis zum Jahre 1947 nur ein kleiner Anlegesteg. Das Bauwerk auf Stahlpfeilern ist eine kleine Kunstmeile, denn links und rechts des Weges stehen Holzskulpturen sowie originelle Kunstwerke aus Treibholz. An einem von ihnen, einer Strandwurzel, können sich Verliebte mit einem Liebesschloss verewigen. Besonders romantisch sind zudem die Sonnenuntergänge auf der Seebrücke. Neben Zinnowitz, Sellin und Grömitz besitzt auch Zingst eine Tauchgondel, mit der Sie seit 2013 die Möglichkeit haben, die Unterwasserwelt der Ostsee hautnah zu erleben.

Die Tauchgondel an der Seebrücke Zingst sehen Sie schon aus der Ferne.

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Seebrücke Prerow

Als nächstes trägt uns die frische Ostseebrise ins 8 Kilometer entfernte Prerow. Der Ort ist beschaulich und nicht zuletzt wegen seines langes Strandes und seiner Nähe zum Darßer Urwald ein beliebtes Ferienziel für Familien mit Kindern. Und selbstverständlich verfügt das Ostseebad über eine Seebrücke, die mit ihren 395 Metern Länge und 3,5 Metern Breite der perfekte Ort für einen Spaziergang ist. Ursprünglich war sie auch als Bootsanleger gedacht, aber in Prerow weht fast immer ein kräftiges Lüftchen, sodass sie ausschließlich von Flanierlustigen und Anglern aufgesucht wird. Wenn das Wetter mitspielt, können Sie sogar die vorgelagerte Insel Hiddensee sehen. Richtig viel los ist auf dem Seesteg beim Seebrückenfest, das jedes Jahr in der zweiten Maihälfte oder Anfang Juni stattfindet.

Wie viel Power in der Ostsee steckt, davon können Sie sich an so manchem Tag auf der Seebrücke in Prerow mit eigenen Augen überzeugen.

Hätten Sie es gewusst? Seit 20 Jahren wird in Prerow am Neujahrstag traditionell angebadet und damit die Badesaison offiziell eröffnet. Den besten Blick auf das Spektakel – falls Sie sich nicht selbst in das kalte Wasser wagen – haben Sie von der Seebrücke aus.

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Seebrücke Wustrow

Das letzte Etappenziel für heute ist Wustrow auf Fischland-Darß-Zingst, etwa 20 Kilometer südwestlich gelegen von Prerow. Lassen Sie sich einen Spaziergang auf der 230 Meter langen Seebrücke nicht entgehen. Ohne großen Trubel können Sie hier die kraftvolle Energie der Ostsee spüren – es sei denn, es findet gerade ein kulturelles Highlight statt: Ob Konzert, Seebrückenfest oder Strandgalopprennen, die Seebrücke bildet dann nicht nur eine beeindruckende Kulisse, sondern von hier aus haben Sie das Geschehen auch am besten im Blick. Das Bauwerk wurde im Jahr 1993 eröffnet. Am Anfang der Brücke begrüßt Sie die Sandsteinskulptur „Swantewit-2000“. Sie stellt den vierköpfigen slawischen Hauptgott dar, den Namensgeber der Gemeinde Wustrow.

Die Seebrücke in Wustrow ist eine von dreien auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst.

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Kommentare

  1. Wir waren auf der Seebäderbrücke in Sellin. Es ist wirklich ein schöner Ort zum entspannen. Das Restaurant mit Blick auf die Ostsee und die große Treppe in Sellin ist empfehlenswert!

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