Insel-Hopping in der Nordsee

Wilde Dünen, steile Klippen und weite Strände säumen ihre Küsten, urige Fischerhäfen und traditionsreiche Badeorte. Landein schmücken Stockrosen die Bauerngärten von Reetdachkaten, flirten Backstein und Naturstein in den Dörfern. Blühende Heiden wechseln mit fruchtbaren Marschen, Weiden und Wäldern… Die Inseln der Nordsee: Viel haben sie gemeinsam. Und doch ist jede einzigartig. Entdecken Sie Ihre persönliche Lieblingsinsel!

Sylt

Sie ist die höchste. Und die größte. Keine deutsche Nordseeinsel liegt nördlicher, und keine ist größter als Sylt. 99 Quadratkilometer groß, kratzt sie mit dem Dünenland des Lister Ellenbogen an die dänische Grenze. Immer weiter treibt der stete Westwind die 30 m hohe Wanderdüne nach Osten. Im Süden nagt die See besonders stark an Sylt.  Was dort das Meer fortreißt, lässt den Kniepsand auf Amrum wachsen. Sylt ist eine Insel im Wandel, immer und überall. Wind und Wellen verändern die Natur; der Zeitgeist die Inselorte. Sie folgen Trends und Moden, wechseln scheinbar mit jeder Saison ihr Gesicht, und bleiben sich doch treu. In der Inselhauptstadt Westerland ist die Rote Grütze bei Leysieffer beim Bummel auf der Friedrichstraße für viele genauso ein Muss wie die Scampis bei Gosch, der Ausflug zur Sansibar genauso Urlaubsprogramm wie der Kuchen in der Kupferkanne. Man bummelt durch das autofreie Friesendorf Kampen, radelt durch das Klappholtal, besucht die Kegelrobbe Willi im Hafen von Hörnum, staunt über die Surfer und kehrt immer wieder dorthin zurück, wo Sylt das ganze Jahr am schönsten ist: an den 40 Kilometer langen Strand.

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Auf Sylt gilt das Motto “ Sehen und gesehen werden“, aber das in wunderschöner Natur

Amrum

Er ist Europas größte Sandkiste und berühmteste Attraktion von Amrum: der Kniepsand. Rund elf Kilometer lang und bis zu 1,5 Kilometer breit, nimmt der berühmte Inselstrand fast die Hälfte der Fläche Amrums ein. Den Rest teilen sich fünf Inseldörfer, Pferdekoppeln und Weizenfelder, Dünenheiden und der mit 200 Hektar größte Wald einer Nordseeinsel. Mitten hindurch führt der Radweg nach Norddorf. Dort ist Mister Nordsee daheim: Georg Quedens. Seit 1734 lebt seine Familie auf der Insel, seit Jahrzehnten unterhält der hoch betagte Senior mit Inseldönekes und Strandräuberpistolen die Urlauber, die auf Amrum immer noch Badegäste – und nicht Touristen  – heißen. Bei seinen Vorträgen erzählt er nicht, sondern schnarrt und schnaubt, flüstert und dröhnt, kneift die kleinen Augen zusammen, zwirbelt seinen Bart und lässt jeden Zuhörer im Raum denken: Wow, was für eine tolle Insel. Und so viel zu sehen! Unbedingt dazu gehört Nebel, das sich mit schmucken Friesenhäusern um die St.-Clemens-Kirche drängt, wo „sprechenden Grabsteine“ die Lebensgeschichte berühmter Insulaner kundtun: Gerade mal 16 Jahre alt, war Hark Olufs (1708 – 1754) von Piraten entführt und in Algier als Sklave verkauft worden. Als reicher Mann kehrte er 1735 auf die Insel zurück. Wo er sein ganzes Geld versteckt hat, gehört bis heute zu den Geheimnissen von Amrum.

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Der Kniepsand von Amrum nimmt eine Fläche von rund 10km² ein

Föhr

„Friesische Karibik“ nennt sich stolz die zweitgrößte deutsche Nordseeinsel Föhr, von der Christian Morgenstern sagte: „Diese Landschaft hat gar nichts Äußerliches, Lautes, sie spricht selbst fast nicht, sie singt höchstens leise an stillen sonnigen Abenden, wenn das Meer wie ein Spiegel grünblau mit dem Himmel zusammenzurinnen scheint.“ Viele Jahre vor ihm hatte schon der dänische Märchendichter Hans Christian Andersen geschwärmt: „Ich habe jeden Tag gebadet, und ich muss sagen, es ist das unvergesslichste Wasser, in dem ich gewesen bin.“ Zwei Jahrhunderte lang war Föhr die Insel für Künstler und Könige. Als sie fernblieben, kamen die Kinder. Sie machten die Insel zum Synonym für Kindererholung und Familienferien. Besonders während der „Föhrer Piratentage“ ist die Insel fest in der Hand der kleinen Freibeuter, die sich bei Hunderten Kinderveranstaltungen wie Fußball-Camp, Strandolympiade, Mitmach-Zirkus, Märchenmusical, Strandgut-Werkstatt und Filzen vergnügen. Andere und Ältere entdecken beim Radeln die elf Insel-Dörfer, wandern im Watt nach Amrum, besuchen die Bauern und genießen bei Daniela und René Dietrich im „Alt Wyk“ Haute Cuisine mit Friesenflair: Dafür gab es 2012 den ersten Michelinstern.

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Typische Reetdachhäuser auf der Insel Föhr

Halligen

Geographisch liegen sie auf der gleichen Höhe wie der Südzipfel Alaskas: die nordfriesischen Halligen – zehn Kleinode im Wattenmeer, das seit 2009 zum Weltnaturerbe gehört. „Schwimmende Träume“ nannte Friesendichter Theodor Storm die Mini-Eilande, die mehrmals im Jahr „blank laufen“. „Füße anheben! Ich lass das Wasser einlaufen!“ ruft Andrew Eisenberg im Sturmflutkino von Hallig Hooge. 20 Minuten zeigt er hautnah, was während der Stürme im Frühjahr und Herbst Alltag auf den Halligen ist: Landunter. Menschen, Vieh und Fahrzeuge drängen sich dann auf den Warften, die wie Burgen aus der Brandung ragen. Doch wenn sich der Sturm legt, das Wasser zurück ins Meer fließt und im Innern der Hallig für wenige Stunden ein See zurückbleibt, in dem sich alles spiegelt – dann ist die Halligwelt geradezu überirdisch schön. Hooge gilt wegen seines prachtvollen „Königspesels“, in dem einst der Dänenkönig Frederik VI. übernachtete, als „Königin“ der Halligen. Die größte ist jedoch die „lange Nase“: Langeneß, zu der ab Dagebüll eine Lore Gäste und Gepäck hinbringt. Nur neun Menschen leben auf Gröde-Appelland, der kleinsten Gemeinde Deutschlands. Im Frühjahr jedoch herrscht großer Trubel. Dann rasten dort die Ringelgänse beim Vogelzug – und die Halligwelt feiert mit den Ringelganstagen ein tierisches Spektakel!

Helgoland

„Rot ist die Kant, Grün ist das Land, weiß ist der Strand, das sind die Farben von Helgoland“: Deutschlands einzige Hochseeinsel ist so beliebt, dass High-Speed-Katamarane den Fels in der Brandung nicht nur aus Nordfriesland, sondern auch von Cuxhaven und selbst Hamburg ansteuern. Nur noch selten wird „ausgebootet“: Dann halten die Ausflugsdampfer auf See, und die Gäste steigen in offene Börte-Boote um, die sie zum Binnenhafen bringen. Dort säumen kunterbunte Hummerbuden den Kai. Wo einst die Fischer Netze flickten, ist heute eine maritime Bummelmeile entstanden. Vom Unterland saust ein Fahrstuhl zum Oberland. Kult ist hier die große Runde am Klippenrand entlang, die auch das Insel-Wahrzeichen berührt: den 47 Meter hohen Vogelfelsen „Lange Anna“. 1721 trennt eine Sturmflut die Hauptinsel von ihrem Strand. Seitdem liegt die 1 Kilometer lang und 700 Meter breite „Düne“ als Bade- und Sonnenparadies abseits vom Trubel mitten im Meer. Mitunter kommen Seehunde neugierig an den Strand und bestaunen die Besucher, die hier sogar hüllenlos den Sommer genießen dürfen.

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Die „Lange Anna“ auf Helgoland sollte man mal gesehen haben

Wangerooge

Wer ist die kleinste Ostfriesen-Insel? Baltrum oder Wangerooge? Seit Jahren wandert die Auszeichnung hin und her. Sturmfluten und Wellenerosion lassen Wangerooge immer weiter schrumpfen – und ostwärts wandern. Dadurch gehört die 8 Kilometer lange Insel als einzige nicht mehr zu Ostfriesland, sondern zum Jeverland. Nahezu flach liegt sie in der Wesermündung und ist fest in der Hand der Familien. Statt Sightseeing – die Bombenangriffe von 1945 haben die historischen Bauten fast völlig zerstört – steht hier Aktivurlaub auf dem Programm: Radfahren, Reiten, Schwimmen, Surfen, Squash, Tennis, Tauchen, selbst Bogenschießen und Fallschirmspringen werden hier angeboten.

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Die Insel Wangerooge lädt zum Aktivurlaub ein

Langeoog

Auf Langeoog rattert eine kunterbunte Insel-Bahn vom Hafen im Süden zur Inselhauptstadt im Nordosten. Dort trifft sich alles auf der Barkhausenstraße, wo man bummeln, in Läden stöbern oder eine Kleinigkeit essen oder trinken kann. Danach könnte man im Schifffahrtsmuseum Buddelschiffe und Schiffsmodelle bewundern, im Nordsee-Aquarium Krebse, Seenadel und Katzenhai entdecken oder im Erlebnisbad plantschen. Fans von Lale Andersen pilgern zum Dünenfriedhof, wo die Sängerin des bekannten Liedes „Lili Marleen“ 1972 ihre letzte Ruhestätte fand. Aktive zieht es zur Fuß, per Fahrrad oder per Pferdekutsche hin zur Melkhorndüne mit toller Aussicht über den Kleinen und Großen Schopp, zu den bis zu 15 Meter hohen Graudünen im Pirolatal, zum Fluthaken Flinthörn oder zur Vogelkolonie, wo im Mai 4000 Silbermöwen brüten. Und Familien? Sie packen den Bollerwagen und verbringen den Tag am 14 Kilometer langen Strand.

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Die bunte Inselbahn ist auf Langeoog ein echtes Highlight für Klein und Groß

Norderney

Norderney ist Niedersachsens Gesundheitsinsel. Europas ältestem Meerwasserwellenbad birgt heute Deutschlands größtes Thalassozentrum. Auf 8.000 Quadratmetern sorgen dort Feuer und Wasser für Wohlbefinden. Unten lässt sich im bade:haus das nasse Element in seiner Vielfalt erleben: von kalt bis heiß, von tröpfelnd bis brausend, drinnen und draußen, als Wasserfall und Rinnsal. Oben ist das Feuer in seinem Element: schwitzen, dampfen, abkühlen und sich wärmen – an offenen Flammen hoch über den Dächern von Norderney. Seit mehr als 220 Jahren hat Wellness auf der Insel Tradition. Bereits 1797 wurde Norderney Königlich-Preußisches Seebad, 1819  bis 1866 lockte es als Königlich Hannoversche Seebadeanstalt Adel und Bohème, und bis heute ist Norderney die noble Grande Dame der Nordsee – mit weißen Prunkbauten und Musikmuschel am nostalgischen Kurplatz, mondänem Kurhotel, intimen Kurtheater und  dem Sternerestaurant Seesteg. Der Insel-Osten indes lockt mit Natur pur: Salzwiesen, Dünen, Schiffswrack und Seevögel, die hier in der Ruhezone des Nationalparks ein Refugium gefunden haben.

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Die mobilen Umkleidekabinen am Strand von Norderney

Borkum

Die sieben ostfriesischen Inseln enden im Westen mit ihrem größten Eiland: Borkum. Es ist am weitesten vom Festland entfernt, aber ganz nah am Golfstrom. Das sorgt für ganz besondere Luft. Sie ist mild, vollgepackt mit Jod und pollenarm –perfekt für eine Wellnessreise mit langen Spaziergängen am Sandstrand bis zum Hoge Hörn, auf dem Upholmdeich und durch die Wunderwelt der Dünen, mit Naturschlick-Therapie, Schwitzen in der Strandsauna und entspanntem Flanieren auf der Strandpromenade „Wandelbahn“ , die 2011 zum 100-jährigen Bestehen des Seebades aufgehübscht wurde. Strandsegler und Surfer zieht es zum Nordstrand mit seinen bunten Strandzelten und Strandkörben. Als letztes deutsches Feuerschiff wurde 1988 das „Borkumriff“ außer Dienst gestellt. Heute dient es als Infozentrum des Nationalparks Wattenmeer – und verrät, was man auf Touren mit Rangern oder auf eigene Faust alles dort entdecken kann.

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Der Weg durch die Dünen zum Nordstrand von Borkum – mehr Idylle ist kaum möglich


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